Namibia und Südafrika, April 2000

Zielorte:
Dauer:
Reiseveranstalter:

Zeitraum:
Namibia und Südafrika
3 Wochen
selbstorganisierte Tour mit eigenem PKW
31.03.2000 - 20.04.2000

Bericht ohne Fotos (174 KB)

Eine insgesamt 7.700 km lange, erlebnisreiche Fahrt durch Namibia und den einsamen Nordwesten Südafrikas. Ziele waren das Namaqualand, die Kalahari, der Etosha-Nationalpark, die Wüste Namib, der Fish-River-Canyon, sowie die Städte Windhoek, Swakopmund und Lüderitz. Ein Großteil der Strecke führte über ausgewaschene Schotter- und Sandpisten, die für unseren (nicht gerade geländegängigen) Opel Astra Kombi teilweise nur schwer zu bewältigen waren. Nie zuvor haben wir uns sehnsüchtiger einen Geländewagen gewünscht! Aber mit viel Glück haben wir es geschafft. Nur zwei Wochen zuvor hätten wir aufgrund der sintflutartigen Regenfälle, die über weite Teile Namibias niedergegangen sind, keine Chance gehabt unsere Ziele zu erreichen. Dafür haben wir Namibia wohl so fruchtbar und grün erlebt, wie nur wenige Besucher zuvor.


1. Tag: Namaqualand


Unsere Tourplanung sieht folgendermaßen aus: Von Kapstadt aus wollen Simone und ich in nach Norden in die Halbwüste Kalahari fahren und auf dem Weg in verschiedenen südafrikanischen Nationalparks übernachten. In der Kalahari haben wir vor die Grenze Namibias zu überqueren und dann bis zur Hauptstadt Windhoek zu fahren. Dort wollen wir am Flughafen unseren Freund Stefan aus Deutschland abholen, der dann die folgenden 2 Wochen an der Tour quer durch Namibia teilnimmt.

Wir brechen am 31. März 2000 schon sehr früh am Morgen um ca. 5.00 Uhr auf, weil unsere erste Tagesetappe immerhin knapp 900 km beträgt. Unser Kombi ist voll beladen mit Ausrüstung, Getränken und unserem Gepäck. Als Vorsichtsmaßnahme für die in Namibia zu erwartenden schlechten Straßenverhältnisse haben wir Werkzeug und zwei Ersatzreifen dabei, eine ausklappbare Schaufel und für den Notfall einen gefüllten 25-Liter-Wasserkanister. Wenn Stefan in Namibia mit seinem Gepäck dazu kommt, dürfte es im Wagen ziemlich eng werden.

Noch im Dunkeln fahren wir die Nationalstraße N7 nach Norden, überqueren beim ersten Morgengrauen den Piekenaarskloof-Pass bei Citrusdal, und folgen dem Olifants River entlang der Cederberge in Richtung Namaqualand.



Das Wetter ist an diesem Morgen phantastisch. Aber strahlend blauer Himmel und viel Sonnenschein werden uns in den nächsten drei Wochen noch genügend verwöhnen. Nachdem wir das fruchtbare Tal des Olifants-River mit seinen Bewässerungskanälen hinter uns gelassen haben, ändert sich die Landschaft und macht den weiten, halbwüstenartigen Ebenen des Namaqualandes platz. Die schroffen Berge der Randstufe der Karoo-Halbwüste erstrecken sich östlich von uns und geben uns einen ersten Eindruck von der wilden Schönheit der kargen Provinz Nordkap, die wir im Laufe des Tages durchfahren werden. Der ohnehin geringe Verkehr nimmt noch mehr ab, je weiter wir nach Norden fahren, so dass wir die ersten 500 km sehr entspannt und flott auf der gut ausgebauten Straße vorwärts kommen.

Landschaftlich beeindruckend sind die Berge um Kamieskroon, einem kleinen Ort an der N7, der im Frühjahr zur Blütezeit auch von vielen Touristen gerne besucht wird, wenn sich die Wildblumen nach dem Winterregen in voller Farbenpracht entfalten.

Hinter Burke's Pass erreichen wir Springbok, die Hauptstadt des Namaqualandes. Es ist mittlerweile 10 Uhr morgens, die richtige Zeit also für ein kleines Frühstück. In Springbok leben hauptsächlich Mischlinge, deren Abstammung vom Volk der Nama in vielen Fällen gut zu erkennen ist. Der Ort ist trotz der geringen Größe ein wichtiges Versorgungszentrum in dieser dünn besiedelten Gegend.

Nachdem wir uns in einem Café etwas gestärkt haben, kaufen wir in der Stadt noch ein paar Kleinigkeiten ein, die wir vergessen haben mitzunehmen. Anschließend besuchen wir das Goegab Nature Reserve am Rande der Stadt, ein Naturschutzgebiet in der Halbwüste, das eine Reihe hier heimischer Tier- und Pflanzenarten beherbergt. Der Besuch des Reservats lohnt sich sehr, auch wenn wir wegen Bauarbeiten auf der Zufahrtsstraße über eine sandige Piste fahren müssen, die uns schon mal einen Vorgeschmack auf das gibt, was uns bald in Namibia erwartet. Besonders gut gefällt uns neben der faszinierenden Landschaft der Wildflower Garden in der Nähe des Informationsgebäudes, wo man neben den in dieser Gegend häufig vorkommenden Köcherbäumen eine Reihe weiterer interessanter Sukkulenten und Trockenpflanzen bewundern kann. Wenn man genauer hinschaut, entdeckt man auch viele Reptilien und Insekten, die sich perfekt getarnt an die Umgebung angepasst haben.

Eine Stunde später brechen wir wieder auf, um auf der Nationalstrasse N14 weitere 330 km in nordöstliche Richtung durch die einsamen Ebenen der Provinz Nordkap zurück zu legen. Mitten auf der fast durchgehend geradeaus führenden Straße zwischen Springbok und Pofadder, einer Strecke, auf der wir die Zahl der uns entgegen kommenden Fahrzeuge an einer Hand abzählen können, sehen wir einen umgestürzten Sattelschlepper im Straßengraben liegen.

Vermutlich ist der Fahrer eingeschlafen und dadurch von der Straße abgekommen. Schwere Unfälle dieser Art kommen in Südafrika übrigens recht häufig vor, vor allem in solchen verkehrsarmen Regionen wie in dieser Halbwüste. Ein Grund mehr, auch bei langen Strecken auf schnurgeraden Straßen nie unaufmerksam zu werden.

Am Nachmittag sehen wir vor uns einen auffällig grünen Streifen Vegetation und wissen, dass wir nun den Ort Kakamas am Fluß Oranje erreicht haben. Durch intensive Bewässerung werden am Oranje Feigen, Datteln und sogar Weintrauben angebaut. Wir biegen ab und folgen dem Flußlauf zum Augrabies-Falls-Nationalpark, der schon an Namibia grenzt. Wir haben diesen wunderschönen Nationalpark schon vor einem Jahr besucht, aber diesmal versprechen wir uns einen noch besseren Eindruck von den gewaltigen Wasserfällen des Oranje, da es am Oberlauf des Flusses vor wenigen Wochen sehr viel geregnet hat.

Unsere Vermutung bestätigt sich. Mit enormer Gewalt stürzen die Wassermassen in die tiefe Schlucht aus massivem Granitgestein, die der Fluss im Laufe der Zeit in den Fels gefressen hat. Die Augrabies-Wasserfälle zählen zu den größten der Erde. Insgesamt 194 m tief stürzt hier der Oranje herab, um anschließend an der Grenze Namibias entlang in vielen Stromschnellen bis zur Mündung in den Atlantik zu fließen.

Die Übernachtung im Nationalpark-Camp, in unmittelbarer Nähe der Wasserfälle, haben wir schon im voraus gebucht. An dieser Stelle ein kleiner Tipp: Es existieren zwei Arten von Bungalows, die man mieten kann. Sie unterscheiden sich nur unwesentlich im Preis (Differenz von R 20). Den etwas teureren Bungalows sollte man auf alle Fälle den Vorzug geben, da sie neuer, größer und besser ausgestattet sind als die günstigeren. Auch die gut funktionierende Klimaanlage in den größeren Bungalows ist bei den hiesigen Außentemperaturen, die im Sommer regelmäßig die 40°C-Marke erreichen, nicht zu unterschätzen.

Nachdem wir den Wasserfall bestaunt und uns frisch gemacht haben, fallen wir nach dem Abendessen im Restaurant müde ins Bett.


2. Tag: Augrabies-Falls-Nationalpark



Nach einem selbst bereiteten Frühstück in der Küche unseres Bungalows ziehen wir die Wanderschuhe an, cremen uns mit Mückenschutzmittel und Sonnenmilch ein und brechen auf, um den Dassie-Trail zu laufen. Dieser ca. 7 km lange Wanderweg führt zunächst vom Camp am Rande der Schlucht entlang zu einer Stelle namens Arrow Point, wo eine kleinere Nebenschlucht auf die Hauptschlucht des Oranje stößt. Um den Weg nicht zu verlieren, muss man immer die Augen nach den auf das felsige Gelände gemalten Markierungen offen halten.

Viele Stellen am Rande der tiefen Schlucht reizen zu einer längeren Pause, um die phantastische Landschaft und die tobenden Stromschnellen des Flusses zu bewundern, aber wir halten uns dann doch nicht allzu lange auf, da die Sonne schnell höher steigt. Ansonsten könnte man allein am Arrow Point sicher Stunden verbringen, wenn nicht die zahlreichen Stechmücken (wegen des hohen Wasserstands) und die Hitze wären. Genügend Trinkwasser auf der Wanderung mitzunehmen ist absolut notwendig!

Weiter führt uns der Pfad auf zum Teil etwas abenteuerlichen Abschnitten, an den Twin Falls vorbei, zu den Pot Holes, tiefen Löchern im Gestein, die im Laufe der Zeit durch die Kraft des Wassers ausgehöhlt wurden. Immer wieder müssen wir kleinere Nebenflüsse des Oranje überqueren, der sich vielfach verzweigt und in vielen kleineren Wasserfällen von allen Seiten in die Granitschlucht ergießt. Die Ufer der Nebenflüsse sind mit hohem Schilf bewachsen, durch das man sich stellenweise hindurch wühlen muss. Eine Horde Paviane schaut uns dabei belustigt zu. Einmal schrecken wir zusammen, als wir einer meterlangen Echse über den Weg laufen, die sogleich reißaus nimmt. Man kann auch noch viele andere größere und kleinere Tierchen in dieser felsigen Landschaft entdecken: von putzigen Klippschliefern bis hin zu farbenprächtigen Eidechsen und großen grünen Gottesanbeterinnen reicht die Palette.



Nach ca. 1,5 Stunden erreichen wir den Moon Rock, einen gewaltigen Granitfelsen, der wie ein riesige Kuppel aus der Umgebung aufragt. An seinem Fuß machen wir nochmal eine kurze Pause, dann folgen wir einem weiteren schmalen Nebenfluss bis zu einer Schotterpiste, die wieder zurück in Richtung Camp führt. Mittlerweile ist es schon so heiß, dass wir unter jedem Schatten spendendem Baum der Umgebung kurz Rast machen und nach und nach unsere Trinkflaschen leeren. Aber nach Erreichen der Piste ist der nur noch ca. 2 km lange Rückweg ein Kinderspiel.

Zurück im Bungalow wird schnell geduscht, dann schnappen wir uns unsere Badesachen und legen uns erstmal an einen der kleinen Swimmingpools des Camps. Die Wanderung war wirklich außerordentlich schön, aber für den Rest des Tages ist Relaxen angesagt. Zumindest denken wir das. Als ich probehalber unser Handy anschalte, um die Empfangsmöglichkeit im Nationalpark zu prüfen, wird plötzlich eine Kurznachricht angezeigt. Sie stammt von Stefan, unserem Reisebegleiter, den wir in Namibias Hauptstadt Windhoek abholen wollen. Oh Schreck!! Er ist in Deutschland schwer an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt und kann nicht nach Namibia fliegen!

Wir rufen ihn sogleich an und erkundigen uns nach seinem Befinden, das verständlicherweise alles andere als gut ist. So ein Pech aber auch! Entsprechend geknickt sind wir den Rest des Tages, da wir uns sehr auf Stefan und unsere gemeinsame Unternehmung gefreut haben. Doch zunächst hängt sich Simone ans Telefon und versucht nacheinander alle vorgebuchten Unterkünfte in Namibia zu erreichen, um Stefans Reservierungen zu stornieren. Das ist allerdings gar nicht so einfach, da durch die schweren Regenfälle, die vor kurzem in Namibia niedergegangen sind, viele Telefonleitungen unterbrochen sind. Immerhin schafft es Simone nach Stunden mit viel Hartnäckigkeit, dass Stefan zumindest einen Großteil seiner Anzahlungen zurück erhält, obwohl wir die Buchungen ziemlich kurzfristig absagen müssen. Doch das wird den armen Kerl sicher nur wenig trösten, der nun in Deutschland das Bett hüten muss, anstatt mit uns auf Abenteuertour zu gehen.

Um uns von der Enttäuschung abzulenken, fahren wir am Nachmittag in den Nationalpark und besuchen einige sehenswerte Stellen. Dazu zählen der erwähnte Moon Rock, den man von der Westseite her mit Leichtigkeit besteigen kann, und ein Aussichtspunkt am Rande der tiefen Granitschlucht namens Ararat, der sicher zu den landschaftlich beeindruckendsten Orten im südlichen Afrika zählt. Dort können wir auch aus der Nähe ein Klipspringer-Pärchen beobachten. Dabei handelt es sich um eine kleine Antilopenart, die sich mit großem Geschick durch das felsige Gelände bewegen kann.

Von einem weiteren Aussichtspunkt auf einer Hügelkuppe bestaunen wir die Weite dieser reizvollen Umgebung. Dabei fällt uns besonders auf, wie viel es in der letzten Zeit geregnet haben muss, denn die normalerweise eher wüstenartige Felsenlandschaft des Nationalparks ist überwuchert von hohem grünen Gras, und an vielen Stellen blühen kleine Wildblumen in voller Pracht. Hier trifft wirklich die Aussage zu: die Wüste lebt! Letztes Jahr im Februar haben wir diese Gegend am Ende der Trockenzeit ganz anders erlebt. Es ist schon unglaublich, wie sehr der Niederschlag alles hier in ein grünes Paradies verwandelt hat. Besonders die vielen Köcherbaum-Aloen, bei denen es sich eigentlich um reine Wüstenpflanzen handelt, stellen inmitten des Grüns ein sehr ungewohntes Bild dar.

Am späten Nachmittag zieht sich urplötzlich der Himmel zu, und dicke Wolken türmen sich zusammen. Innerhalb kürzester Zeit fällt kräftiger Regen, aber schon nach einer halben Stunde hat sich alles wieder verzogen. Offensichtlich ist die Regenperiode noch nicht ganz zu Ende.

Auf der Piste zurück zum Camp müssen wir einige kleine Flüsschen durchqueren, die in der Trockenzeit nur noch ein Rinnsal sind. Jetzt steht das Wasser teilweise so hoch, dass beim Durchfahren sogar der Fußraum im Wagen feucht wird. Aber unser Kombi meistert diese Stellen trotzdem ohne Probleme, ebenso wie einige sandige Abschnitte der Piste.

Später sitzen wie nach dem Essen noch einige Zeit vor dem Bungalow und genießen die angenehme Temperatur am Abend. Dabei müssen wir unweigerlich oft an Stefan in Deutschland denken. Wir wünschen ihm, dass er möglichst bald wieder auf die Beine kommt.


3. Tag: Kalahari-Gemsbok-Nationalpark


Kurz nach Sonnenaufgang sind wir wieder wach und verlassen kurze Zeit später den Augrabies-Falls-Nationalpark. Ab Kakamas folgen wir auf der Nationalstraße N14 dem Lauf des Oranje flussaufwärts. Hinter dem netten Ort Keimoes mit seinen zahlreichen Dattelpalmen überqueren wir den Fluss bei Kanon-Eiland, der einzigen größeren Insel des breiten Flusses, die landwirtschaftlich intensiv genutzt wird. Weiter geht es am anderen Ufer durch Anbaugebiete von Baumwolle, Obst, Weintrauben und Getreide, bis wir die Stadt Upington erreichen, ein wichtiges Versorgungszentrum am Rande der Kalahari.

Die Touristeninfo in der Stadt hat leider sonntags geschlossen. Dort wollten wir uns über den aktuellen Straßenzustand von der Kalahari nach Namibia erkundigen, da wir im Camp des Augrabies-Falls-Nationalparks erfahren haben, dass die Strecke vom Grenzübergang Rietfontein nach Namibia hinein wegen der schweren Regenfälle der letzten Wochen sehr problematisch sein soll. Da wir in Upington keine weiteren Informationen erhalten, kaufen wir nur in einem Supermarkt einige Lebensmittel ein und machen uns auf den Weg in Richtung Kalahari-Halbwüste. Im Kalahari-Gemsbok-Nationalpark, unserem nächsten Ziel, werden wir wohl näheres erfahren.

Wenige Kilometer hinter der Stadt kommen wir am Spitskop Nature Reserve vorbei. Das kommt uns doch gerade recht für einen kleinen Abstecher zum Frühstücken! Die Dame am Eingang läßt uns freundlicherweise umsonst ein, da wir nur eine kurze Rast am Wahrzeichen des Naturschutzgebiets, der Spitskoppe, einlegen wollen. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung großer Granitfelsen, die sehr auffällig aus der weiten Ebene heraus ragt. Der Steinhaufen ist durch Erosion entstanden und bildete ursprünglich mal den Kern eines Hügels. Auf der Spitze existiert ein fest installiertes Fernrohr, mit dem man die Umgebung nach Steppentieren wie Zebras, Springböcken und Oryx-Antilopen (in Afrikaans Gemsböcke genannt) absuchen kann. Leider können wir im Umkreis kein Tier entdecken, aber dafür treten wir am Rastplatz fast auf eine lange braune Schlange, die zum Glück genauso erschrocken ist wie wir und sich sogleich in eine Ecke des Palisadenzaunes verkriecht.



Nach dem kleinen Picknick fahren wir weiter nach Norden in eine der einsamsten Gegenden von Südafrika. Auf einer Strecke von 170 km, die schnurgerade in die Halbwüste hinein führt, begegnet uns kein anderes Fahrzeug. Menschliche Ansiedlungen sind auch nicht zu sehen. Wir passieren einige flache Pfannen, deren Boden aus Mineralsalzen besteht. Nach einer Stunde Fahrt tauchen dann die ersten roten Sanddünen auf.

Schließlich erreichen wir nach knapp 2 Stunden Fahrt einige kleine Ansiedlungen, die sich am Ufer des schmalen Wasserlaufes Kuruman niedergelassen haben. Hinter dem winzigen Ort Andriesvale, kaum mehr als eine Ansammlung kleiner Hütten, in denen hauptsächlich Farbige leben, die in der kargen Umgebung etwas Landwirtschaft betreiben, endet die Teerstraße. Von hier sind es nur noch knapp 5 km bis zur Grenze nach Botswana. Die relativ reichhaltige Vegetation in der Nähe des Flusses täuscht nicht darüber hinweg, dass wir uns in der Halbwüste Kalahari befinden.

In dieser einsamen Region ist Hilfsbereitschaft unter Reisenden Pflicht. An der Abzweigung nach Norden zum Nationalpark begegnen wir einem Geländewagen, der uns entgegen kommt. Obwohl wir nur am Straßenrand stehen und die Karte studieren, werden wir sogleich gefragt, ob wir Hilfe benötigen und ob alles in Ordnung sei. So muss es sein. Nachdem der Fahrer nach unserem Ziel gefragt hat, blickt er ziemlich skeptisch auf unseren Wagen und wünscht uns noch viel Glück. Uns wird ein wenig mulmig im Magen.

Uns trennen nur noch ungefähr 70 km vom Eingang des Kalahari Gemsbok Nationalparks. Dieser Nationalpark inmitten eines der unberührtesten Gebiete Afrikas nennt sich neuerdings übrigens Kgalagadi Transfrontier Park. Der südafrikanische Teil dieses Nationalparks wurde mit dem riesigen Schutzgebiet auf botswanischer Seite zusammen gelegt. Das trockene Flussbett des Nossob River bildete die ehemalige Grenze. Seitdem ist der neue Kgalagadi Transfrontier Park der größte Nationalpark im südlichen Afrika. Er ist zum Schutz der einmaligen Flora und Fauna der Kalahari angelegt worden.

Solche grenzübergreifenden Nationalparks sollen in naher Zukunft unter anderem auch zwischen Südafrika und anderen Nachbarländern geschaffen werden. Man will z.B. den bekannten Krüger-Nationalpark im Nordosten Südafrikas vergrößern und zum Teil auf das Staatsgebiet von Zimbabwe und Mosambik ausdehnen. Meiner Meinung nach eine gute Sache. Wichtig ist nur eine gemeinsame Koordination und Kontrolle der Parks und die Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung (neue Arbeitsplätze, usw.).

Die Piste zum südlichsten Camp des Kalahari Gemsbok Nationalparks ist zwar in verhältnismäßig gutem Zustand, aber wir merken schon recht bald, dass unser Kombi für solche sandigen Strecken nicht gerade das optimale Fahrzeug ist. Seine Bodenfreiheit ist einfach zu niedrig. Hin und wieder sind die Reifenspuren auf der Sandpiste so tief, dass wir mit dem Unterboden leicht aufsetzen. Verständlich, warum man dieses Terrain besser mit einem Geländewagen befahren sollte.

Aber wir genießen die einmalige Landschaft und die roten Sanddünen entlang der Grenze Botswanas, bis wir schließlich das Camp Twee Rivieren erreichen. Dieses Camp liegt am Zusammenfluss der fast ganzjährig ausgetrockneten Riviere Auob und Nossob. Wir beziehen den gebuchten Bungalow, der Platz genug für 4 Personen bietet und mit Toilette, Dusche und einer kleinen Küche ausgestattet ist. Twee Rivieren ist das größte der 3 Camps im Nationalpark und bietet außer den Bungalows einen staubigen Campingplatz, eine Tankstelle, einen Shop und ein Restaurant. Die Bungalows sind von ihrer Architektur her recht gut an die Umgebung angepasst und besitzen alle eine Veranda und einen Grill.



Nachdem wir uns umgesehen und unser Gepäck verstaut haben, beginnen wir am frühen Nachmittag auch gleich schon mit unserer ersten Pirschfahrt. Natürlich sind wir am meisten gespannt, ob wir einige der großen, schwarzmähnigen Kalahari-Löwen entdecken. Es existieren nur wenige Pisten im Park, die man befahren kann. Genau genommen sind es nur drei, nämlich das ausgetrocknete Flussbett des Auob bis zur Grenze Namibias, das Flussbett des Nossob entlang der Grenze Botswanas und eine Verbindungsstrecke zwischen den beiden, die über die Sanddünen führt. Wie wir im Camp erfahren sind die ersten 80 km der Strecke von Twee Rivieren entlang des Nossob wegen der Schäden, die der heftige Regen angerichtet hat, nicht mehr befahrbar. Also bleibt uns nur die Piste entlang des Auob.

Wir staunen übrigens nicht schlecht, als wir nach der ersten halben Stunde Fahrt die Dünen der Kalahari überblicken können. Statt rotem Sand und karger Vegetation können wir überall nur auf saftiges Gras blicken, dass die Landschaft wie ein großer grüner Teppich bedeckt. Die ungewöhnlich starken Regenfälle der letzten Wochen haben die Halbwüste Kalahari offenbar in eine fruchtbare Graslandschaft verwandelt. So schön das sicher für die hier lebenden Tiere ist, die nun Wasser und Nahrung im Überfluss haben, so ungünstig ist das für uns, denn wir können kaum hoffen, viele Tiere an den künstlich geschaffenen Wasserlöchern anzutreffen.

Die ersten zwei Stunden unserer Pirschfahrt sind dem entsprechend auch nicht sehr erfolgreich. Auch an die langen Strecken und großen Entfernungen innerhalb des Parks müssen wir uns erst gewöhnen. Im Gegensatz zum Krüger-Nationalpark trifft man hier nämlich nicht ständig auf andere Übernachtungs-Camps, in denen man das Auto verlassen und sich die Füße vertreten kann. Allein für die einfache Strecke bis zum nächsten Camp Mata Mata benötigten wir hier im günstigsten Fall ca. 3 – 4 Stunden. Man muss bei Pirschfahrten durch den Kalahari-Gemsbok-Park also damit rechnen, viele Stunden am Stück im Auto zu verbringen, da das Aussteigen natürlich wegen der Gefahr durch Raubtiere fast nirgends erlaubt ist.

Dafür können wir hier aber eine echte afrikanische Wildnis erleben, in der das Ökosystem noch völlig intakt ist. Da im Umkreis von hunderten von Kilometern kaum ein Mensch wohnt und die Gegend praktisch keine Infrastruktur aufweist, wird das wohl auch (hoffentlich) in Zukunft so bleiben. Nach einigen Stunden haben wir trotz der „schlechten“ Bedingungen eine Reihe schöner Tierbegegnungen. Wir sehen viele Gnus, Oryx- und Kuhantilopen, Springböcke, putzige Erdhörnchen, einen Steenbock, Riesentrappen und zahlreiche andere Vögel. Überhaupt scheint dieser Nationalpark ein Paradies für Vogelkundler zu sein.

Auch das Wetter ist prima. Strahlend blauer Himmel, übersät von kleinen Wattewölkchen. Für die Klimaanlage im Wagen sind wir aber bei der Wärme sehr dankbar. Das einzige was uns fehlt, ist genügend Zeit. Denn kaum haben wir die Abzweigung zur Piste über die Dünen erreicht, müssen wir auch schon umkehren, um noch vor Sonnenuntergang wieder zurück im Camp zu sein. Morgen werden wir wohl den vollen Tag für die nächste Pirschfahrt nutzen.

Wieder zurück in Twee Rivieren sieht unser Wagen auch schon wie ein richtiges Safari-Fahrzeug aus: Schlammbespritzt und bis in den letzten Winkel voller Staub, innen wie außen. Aber unsere Reifen sind noch o.k und auch sonst scheint alles in bester Ordnung zu sein.

Kurz nach Sonnenuntergang fängt es an in Strömen zu regnen. Da haben wir ja echt noch Glück gehabt, denn bei diesen Wassermengen hätten wir auf der Sand- und Lehmpiste sicher Probleme bekommen. Da der Regen nicht nachlässt, fahren wir vom Bungalow mit dem Auto zum Restaurant. Uns tun die armen Camper leid, die mit ihren Zelten bei diesem Regen sicher wenig Freude haben.


4. Tag: Kalahari-Gemsbok-Nationalpark


Nach einer unruhigen Nacht, in der uns der prasselnde Regen immer wieder geweckt hat, stehen wir schon kurz vor Sonnenaufgang wieder auf, um erneut auf Pirschfahrt zu gehen. Wir haben es uns angewöhnt in Nationalparks relativ früh schlafen zu gehen und entsprechend früh wieder auf die Beine zu kommen, um möglichst viel vom Tag zu haben.

Die Pisten sind durch den Regen natürlich völlig aufgeweicht und übersät von großen Pfützen. Entsprechend vorsichtig müssen wir fahren, um nicht stecken zu bleiben. Wir folgen wieder der gleichen Route wie am Vortag. Kaum haben wir das Flussbett des Auob erreicht, laufen uns schon einige Schakale über den Weg. Diese fuchsähnlichen Aasfresser sind früh morgens besonders aktiv.



Auf dem weiteren Weg haben wir wieder ähnliche Tierbegegnungen wie am Tage zuvor. Offensichtlich sind hier zumindest die Pflanzenfresser verhältnismäßig standorttreu. An den Wasserlöchern können wir aber nach wie vor kaum Tiere ausmachen. Der Untergrund der Piste wird langsam fester und holpriger. Dafür müssen wir aber nicht mehr im ständigen Zickzack-Kurs den tiefen Pfützen ausweichen.

Nach 2 Stunden erreichen wir wieder die Abzweigung zum Nossob über die Dünenpiste. Einmal begegnet uns sogar aus entgegen kommender Richtung ein anderes Fahrzeug. Die Insassen haben nahe des Camps Mata Mata sogar eine Gruppe Giraffen gesichtet, die nur in sehr geringer Zahl in der Kalahari vorkommen. Die Landschaft entlang der Dünenstrecke ist fast ebenso grün und mit hohem Gras bedeckt wie das Flussbett des Auob, das wir gerade verlassen haben. Nur auf den Dünenkämmen erkennt man gut den typischen roten Sand der Kalahari, der einzige Hinweis, das wir uns hier eigentlich in einer Halbwüste befinden.

Die nächsten eineinhalb Stunden folgen wir der Piste, die sich nordostwärts im ständigen auf und ab über die Dünen zieht. Immer wenn wir einen erhöhten Punkt erreichen haben wir Ausblick auf die enorme Weite der Kalahari, die sich fast endlos in alle Richtungen erstreckt. Tiere sind nur sehr wenige zu sehen. An einem der Wasserlöcher können wir einen riesigen Sekretärvogel beim Trinken beobachten. In der Ferne erkennt man da und dort einige Oryx-Antilopen (Gems- oder Spießböcke), nach denen der Nationalpark ursprünglich benannt war. Wer weiß an wie vielen Löwen wir schon vorbeigefahren sind, ohne sie zu entdecken. Zwischen den Dünen gibt es enorm viele Versteckmöglichkeiten.

Als mir vom vielen ständigen hoch- und runterfahren über die wellenartigen Dünen schon fast übel geworden ist, erblicken wir das ausgetrocknete, breite Flussbett des Nossob vor uns. Das rechte Ufer des Trockenflusses gehört schon zum Staatsgebiet von Botswana. An der Abzweigung nach Norden existiert ein kleiner Rastplatz mit Buschtoilette, an dem sich schon eine kleine Reisegruppe mit einem Safari-LKW eingefunden hat. Es handelt sich um Deutsche, mit denen wir etwas ins Gespräch kommen und uns gegenseitig unsere bisherigen Erfahrungen und Tierbegegnungen erzählen. Die Glücklichen haben am Morgen schon in der Nähe des Camps Mata Mata ein Löwenrudel gesichtet!

Nach der Pause und einem kurzen Picknick (es tut so gut, sich mal wieder die Beine zu vertreten nach der langen Autofahrerei) wollen wir noch versuchen das Camp Nossob im Norden zu erreichen. Dort sollen die besten Tierbeobachtungen möglich sein. Die Rastplätze hier im Kgalagadi Transfrontier Park sind übrigens nicht eingezäunt und es gibt auch keine Wildhüterposten wie z.B. im Krüger-Nationalpark. Das Verlassen des Fahrzeugs an solchen Orten erfolgt immer auf eigene Gefahr.



Der weitere Weg entlang des Nossob stellt sich für uns sehr problematisch dar: die Piste besteht aus reinem Sand, so dass wir oft nur mit durchdrehenden Reifen vorwärts kommen. Außerdem liegt sie so tief im Flussbett, dass wir Schwierigkeiten haben, aus unserem niedrigen PKW die Umgebung genauer zu beobachten. Wenn wir Tiere entdecken, müssen wir fast auf unser Dach steigen, um sie besser sehen zu können. Jetzt wäre ein Geländewagen ideal! Der hat nicht nur weniger Probleme mit der Sandpiste, sondern man sitzt darin erheblich höher und hat einfach mehr Überblick.

An Tieren begegnen uns am häufigsten Oryx-Antilopen, die hier wirklich in großer Zahl leben. Einmal entdecken wir sogar einen Geparden, der in größerer Entfernung durch das Gras pirscht. Aber dank unseres Fernglases können wir ihn sehr gut beobachten.

Gegen Mittag haben wir das Camp Nossob immer noch nicht erreicht, und die Piste wird von Kilometer zu Kilometer schlechter. An manchen Stellen zweifeln wir daran, ob wir auf dem Rückweg nochmal ohne Schieben und Graben durchkommen. Mit der Zeit zehrt der Strassenzustand so an den Nerven, dass wir uns schließlich dazu entscheiden umzukehren. Man kann auch schlecht abschätzen, wie weit es noch ist, da sich das Flussbett des Nossob in endlosen Schleifen nach Norden zieht, die auf der Karte nur ungenau eingezeichnet sind. Außerdem benötigen wir allein für den Rückweg mindestens 4 - 5 Stunden, und man weiß ja nie, welche Probleme auf diesem Weg noch auftreten können.

Nachdem wir es geschafft haben auf der Sandpiste zu wenden (was wegen der tiefen Reifenspuren schwieriger ist als man denkt), kommen wir auf dem Rückweg dann doch besser voran als erwartet. Unsere Klimaanlage läuft in der Mittagszeit allerdings auf Hochtouren. Die Kraft der Sonne und die resultierende Hitze sind enorm. Auf der Dünenstrecke entdecken wir sogar einen weiteren Geparden, der allein auf einem Dünenkamm sitzt und die Umgebung beobachtet. Nur die Kalahari-Löwen wollen sich leider nicht blicken lassen.

Wieder am Auob angekommen, haben wir noch genügend Zeit bis zum Sonnenuntergang und machen daher noch einen Abstecher nach Nordwesten in Richtung Mata Mata. Auf dem Weg begegnen uns große Springbock-Herden mit hunderten von Tieren. Als wir dann am Abend nach 10 Stunden Pirsch schließlich wieder im Camp Twee Rivieren ankommen, sind wir ziemlich erschöpft. Die ständige Konzentration und die Anstrengung der Augen fordern ihren Tribut. Auch unser Opel muss erstmal seinen Durst an der Tankstelle stillen.

Rückblickend war der Tag aber ein großes Erlebnis, auch ohne dass uns Löwen über den Weg gelaufen sind. Man kommt schließlich nicht alle Tage in eine solch menschenleere Wildnis wie die Kalahari, in der sich die Tier- und Pflanzenwelt nahezu ungestört entwickeln kann. Und so grün und fruchtbar, wie wir die Halbwüste in diesem Jahr erlebten, haben selbst die Wildhüter des Camps, die zum Teil schon ihr ganzes Leben hier verbringen, die Kalahari nicht gesehen.

Zum krönenden Abschluss begegnen wir im Camp auch noch einer ausgewachsenen Puffotter (gefährliche Giftschlange), als wir nach dem Abendessen vom Restaurant zu unserer Hütte zurück laufen.


5. Tag: Rietfontein / Keetmanshoop


Am nächsten Morgen packen wir unsere Sachen zusammen und verlassen den Nationalpark in südlicher Richtung. Die einzigen Anzeichen menschlicher Besiedlung in der Nähe des Parks sind ein paar armselige Ziegenfarmen. Bei Andriesvale zweigt eine Schotterpiste nach Westen Richtung Rietfontein ab, wo wir nach Namibia einreisen wollen. Unserer Meinung nach ist diese knapp 100 km lange Strecke einmalig schön, und die Landschaft, die wir durchfahren, gehört sicher zu den einsamsten Gebieten Südafrikas. Wir durchqueren riesige Lehmpfannen und Abschnitte mit beeindruckenden roten Sanddünen. Dieser Teil der Kalahari ist spärlicher bewachsen als im Nationalpark. Offenbar hat es hier bei weitem nicht so viel geregnet wie im Norden.



Außer einem Einheimischen auf einem Fahrrad(!) begegnet uns bis zum Ort Rietfontein keine Menschenseele. Der Ort selbst wirkt ziemlich ärmlich. Man fragt sich, wie Menschen in einer so abgelegenen Gegend leben können.

Am Grenzübergang herrscht absolute Leere. Wir scheinen an diesem Morgen die ersten zu sein, die nach Namibia einreisen wollen. Ein offenbar gelangweilter Grenzbeamter wirft einen Blick in unseren voll geladenen Kofferraum und wählt zielstrebig eine Klappe aus, hinter der wir den Verbandskasten verstaut haben. Als ich in seinem Beisein die Medikamente heraus krame und den zentimeterdicken Staub abwische, der mittlerweile in alle Hohlräume des Wagens eingedrungen ist, scheint er rasch zufrieden zu sein und verzichtet auf eine weitere Untersuchung unseres Gepäcks. Erleichtert, dass wir nicht den ganzen Kombi ausräumen müssen, füllen wir rasch die Einreiseformulare aus und erkundigen uns anschließend über den Straßenzustand nach Keetmanshoop, über den wir schon in Augrabies Falls wenig gutes gehört haben.

Über den Zustand der Piste weiß niemand etwas genaues. Es soll sehr viel geregnet haben. Seit zwei oder drei Tagen seien auch nur wenige Fahrzeuge aus dieser Richtung gekommen. Na prima!! Wir beschließen, uns in Namibia im ersten Ort hinter der Grenze nochmals zu erkundigen. Auf der 30 km langen Piste bis nach Aroab geraten wir in einen gigantischen Heuschreckenschwarm. Zum Glück können wir gerade noch rechtzeitig unsere Fenster hochkurbeln. Trotzdem kleben anschließend dutzende dieser fingerlangen Insekten an unserem Kühlergrill, im Motorraum und auf der Windschutzscheibe. Eklig!

In dem heruntergekommenen wirkenden Provinznest Aroab tanken wir auf und lassen auch gleich die Windschutzscheibe reinigen. Der Ort scheint ein großes Problem mit der Arbeitslosigkeit zu haben, denn auf der Straße stehen sehr viele Däumchen drehende Einheimische herum. Kein Wunder, wie will man auch hier, mitten im Nirgendwo, Arbeitsplätze schaffen? Durch den Tourismus ganz sicher nicht. Und die Halbwüste ist kaum fruchtbar genug, um ein paar Ziegen weiden zu lassen. In der Polizeistation erhoffen wir uns Auskünfte über den Straßenzustand. Leider wieder Fehlanzeige. Englisch wird hier kaum gesprochen. Aus den wenigen Brocken entnehmen wir, dass die Piste zwar ausgebessert wird, aber keiner hat eine Ahnung, ob sie schon mit einem normalen PKW befahrbar ist.

Was soll's, da hilft nur Ausprobieren! Also machen wir uns auf den Weg und hoffen das Beste. Die Dünen der Kalahari lassen wir nach und nach hinter uns. Auf den ersten 80 Kilometern ist die Piste in erstaunlich gutem Zustand. Wenn das so weitergeht, sollten wir keine Probleme bekommen. Etwas beunruhigend ist lediglich, dass uns kein einziges Fahrzeug entgegen kommt.

Nach einer weiteren halben Stunde müssen wir zum ersten Mal auf dieser Strecke einen kleinen Fluss durchqueren, in dem sich noch Wasser befindet. Zuerst steigen wir aber aus und betrachten das Hindernis in aller Ruhe. Sollte eigentlich klappen. Also zurücksetzen, Schwung holen und durch! Geschafft!! Das gleiche Schauspiel wiederholt sich einige Kilometer weiter.

Was für Folgen es hat, wenn wir den Wagen in dieser einsamen Gegend festfahren, daran wagen wir vorerst nicht zu denken. Auf dem weiteren Weg verschlechtert sich die Piste leider immer mehr. Die ersten Felsen und Berge tauchen auf, und auch die Schlaglöcher werden immer größer. Aber bei vorsichtiger und langsamer Fahrweise ist das alles noch kein echtes Problem. Trotzdem, oder gerade deshalb, kommt uns die Piste endlos vor. Vor uns taucht ein breiteres Flussbett auf, durch das wir hindurch müssen. Wir versuchen es wieder wie gehabt, aber auf den letzten Metern drehen die Reifen im feuchten Schlamm durch und wir fangen an zu schlingern. Irgendwie schiebt sich der Wagen aber mit Ach und Krach durch, bis die Reifen wieder festeren Untergrund erreichen. Das hat Nerven gekostet!

Kurze Zeit später treffen wir auf eine Planierraupe bei der Arbeit. Ein ca. 200m langes Wegstück vor uns ist vom Regen völlig ausgewaschen und für unseren Kombi nicht mehr befahrbar. Wir haben wirklich unverschämtes Glück, denn der Straßenarbeiter bahnt uns eine schmale Passage durch das Gelände, so dass wir diese Hürde kurze Zeit später überwinden können. Dem namibischen Straßenbauamt sei gedankt! Jetzt kennen wir auch den Grund, warum uns bisher kein Fahrzeug entgegen kam. Der Rest der Strecke bis nach Keetmanshoop verläuft anschließend ohne weitere Schwierigkeiten. Wir sind wirklich erleichtert. Die Kalahari haben wir mit unserem Kombi also schon mal ohne Schaden durchquert.

Bis kurz nach Mittag erreichen wir die Farm Gariganus, etwa 15 km außerhalb von Keetmanshoop gelegen. Dort, im Quivertree Forest Rastlager, haben wir unsere nächste Unterkunft gebucht. Im Farmhaus checken wir ein und werden zu unserer Überraschung von einem zahmen Warzenschwein beschnüffelt. Manche Farmer in Namibia halten sich auch wilde Tiere als Haustiere. Auf der Farm Gariganus leben außer dem Warzenschwein auch zwei Geparden in einem kleinen Gehege.

Weitere „Haustiere“ finden wir in unserer etwas futuristisch wirkenden Hütte vor, in der wir uns kurz frisch machen. Neben einer Vielzahl an Stechmücken entdecken wir eine ca. 20cm lange Echse, die es sich auf meinem Kopfkissen gemütlich gemacht hat. Während wir das Reptil vorsichtig einfangen und nach draußen befördern, gehen wir mit den Stechmücken weniger gnädig um. Nach und nach werden sie alle erledigt. Zur weiteren Vorbeugung benutzen wir ein Abwehrmittel gegen Mücken, das man in die Steckdose steckt.

Hauptattraktion der Farm ist der große Köcherbaumwald in unmittelbarer Nähe. Da wir diese Ansammlung der baumartigen Aloen der besseren Lichtverhältnisse wegen erst zum Sonnenuntergang besuchen wollen, machen wir nach einem kleinen Mittags-Snack erstmal einen Abstecher zum „Giant's Playground“. Dabei handelt es sich um ein Areal der Farm, wo man zahlreichen Doleritfelsen vorfindet, die aussehen, als seien sie von Riesenhand aufeinander gestapelt worden. Dort wachsen ebenfalls einige Köcherbäume. Entstanden sind die Felsentürme durch Erosion, die im Laufe der Zeit die umliegenden Karoo-Sedimente abgetragen hat.



Man kann eine gute Stunde zwischen den Felsen herumlaufen. Eine Art Rundweg mit nicht ganz leicht zu findenden Markierungen führt zu den interessantesten Steinformationen. Vorsicht! Wer keine gute Orientierung besitzt, kann sich in dem labyrinthartigen Felsengewirr schnell verlaufen!

Sehr lästig sind die Unmengen an Moskitos, die uns ständig umschwirren und sich wohl nach den Regenfällen explosionsartig vermehrt haben. Nachdem Simone mehrfach gestochen wurde, verzieht sie sich ins sichere Auto. Bei mir scheint unser Mückenschutzmittel dagegen besser zu wirken.

Nachdem ich das Gelände genügend erkundet habe, fahren wir zurück zur Farm und laufen anschließend zum Köcherbaumwald. Dort sind wir allerdings nicht ganz alleine, denn direkt am Rande des Gebiets gibt es einen Campingplatz, auf dem einige Touristen zelten.

Das Dämmerungslicht und der Sonnenuntergang sind absolut phantastisch! Die Silhouetten der Köcherbäume bilden einen wunderbaren Kontrast zu den Pastellfarben des Himmels. Es sieht in der Realität noch schöner aus als auf den Postkarten und den Bildern im Reiseführer!

Zum Abendessen fahren wir nach Keetmanshoop ins Cañon-Hotel, das uns von den Farmbesitzern empfohlen wurde. Auch wenn das Hotel für unseren Geschmack fast eine Spur zu nobel ist, das Essen ist erstklassig und für die Qualität erstaunlich preiswert. Und das namibische Bier, das übrigens nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wird, schmeckt hier auch so gut, wie wir es aus Südafrika kennen.

Als wir wieder zurück im Quivertree Forest Rastlager unsere Hütte betreten, stellen wir mit Erleichterung fest, dass auf dem Boden eine Vielzahl toter Moskitos liegen. Offenbar hat die Chemiekeule aus der Steckdose gewirkt. Wir lüften noch rasch durch und erleben eine ruhige und erholsame Nacht.


6. Tag: Windhoek


Heute haben wir eine 550km lange, völlig unkomplizierte Strecke nach Windhoek vor uns. Die gut ausgebaute Teerstraße B1 führt direkt von Keetmanshoop durch das zentrale Hochland bis zur Hauptstadt. Die Landschaft, die wir durchfahren, ist relativ eintönig und besteht aus einer flachen Savannenlandschaft. Man bekommt auf der Fahrt aber einen Eindruck von der Größe und Weite Namibias.

In Mariental, dem kleinen Haupt-Verwaltungsort der Region Hardap, machen wir einen kurzen Halt, um etwas für's Frühstück einzukaufen. Obwohl Mariental das wichtigste landwirtschaftliche Versorgungszentrum der Region ist, finden wir kaum einen Supermarkt, der mehr als ein paar Grundnahrungsmittel anbietet. Wahrscheinlich sind wir einfach von den gut gefüllten Regalen der Supermärkte in Kapstadt zu sehr verwöhnt. Außer einer größeren Straußenfarm bietet Mariental sonst nichts von Interesse. Die meisten Einwohner des Ortes gehören dem Volk der Nama an. Neben Straußen werden in der Umgebung hauptsächlich Karakul-Schafe gezüchtet.

Auf der Weiterfahrt nach Norden kommen wir am gut gefüllten Hardap-Damm vorbei, dem größten Wasserreservoir des Landes. Eineinhalb Stunden später überqueren wir kurz vor Rehoboth den Wendekreis des Steinbocks, worauf uns ein Schild am Straßenrand aufmerksam macht. Wir befinden uns nun nur noch eine Autostunde von Windhoek entfernt. Auf dem weiteren Weg nach Norden steigt die Straße langsam an und erreicht auf einer reizvollen Gebirgsstrecke eine Höhe von 1906 m über dem Meer.

Das Wetter ist wunderbar. Wir haben einen strahlend blauen Himmel und klare, trockene Luft. Da Windhoek im zentralen Khomas-Hochland auf über 1600 m Höhe liegt, bewegt sich auch die Temperatur im angenehmen Bereich (ca. 26°C). Die Gebirgslandschaft ringsum ist grandios und viel grüner und fruchtbarer als wir es uns vorgestellt haben.

Direkt am südlichen Ortseingang von Windhoek liegt auch unsere nächste Unterkunft, die Arrebusch Travel Lodge, mit kleinen, aber sauberen und preiswerten Selbstversorger-Bungalows.



Am Nachmittag besuchen wir die Innenstadt von Windhoek, die auf uns einen freundlichen und modernen Eindruck macht. Insbesondere in der Independence Avenue im Zentrum erinnern die gut erhaltenen Kolonialgebäude an die deutsche Vergangenheit Namibias. Nach einem Besuch der Touristen-Info und einigen kleinen Erledigungen, schauen wir uns die bekanntesten Sehenswürdigkeiten an, wie z.B. den Clock Tower, den Meteoritenbrunnen, die imposante Christuskirche, das Regierungsgebäude mit der schönen Bezeichnung Tintenpalast, die Alte Feste und das Reiterdenkmal.



Im Café Kaiserkrone nehmen wir eine kleine Mahlzeit (Bratwürstl mit Kartoffelsalat) zu uns und gehen anschließend noch über den Markt in der Post Street Mall, wo wir eine aus Draht gebastelte Harley Davidson von einem schwarzen Straßenhändler abkaufen. Die Preise für einheimisches Kunsthandwerk (Holzarbeiten, Township-Art, Figuren aus Draht, usw.) sind in Namibia günstiger als in Südafrika, zumindest wenn man entsprechend handelt.

Nach unserem Rundgang durch die Innenstadt reservieren wir uns einen Tisch in der deutschen Gaststätte und Biergarten „Zum Wirt“, da unser Wunschrestaurant Gathemann in der Independence Avenue an diesem Abend schon ausgebucht ist.

Anschließend fahren wir zur Arrebusch Travel Lodge zurück, um zu Duschen und noch ein paar Postkarten zu schreiben, bevor wir abends wieder in die Stadt zum Essen zurück kehren. Der Biergarten ist recht urig und typisch deutsch. Wir genießen Wildgerichte mit Semmelknödeln und trinken Bier vom Fass dazu. Nur das Publikum der Kneipe erinnert daran, dass wir uns in Afrika befinden. Auffällig ist, dass ein Großteil der Gäste aus recht jungen und hübschen schwarzen Frauen besteht. Hin und wieder schaut auch ein männlicher Gast herein, deutet auf eines der Mädchen, das kurz danach die Kneipe verlässt. Jetzt ist uns klar, in welches Etablissement wir hier zufällig geraten sind! Offensichtlich findet im „Wirt“ ein großer Teil des „Nachtlebens“ von Windhoek statt.

Wir amüsieren uns jedenfalls köstlich. Eine lustige Begebenheit will ich noch erzählen: Neben unserem Tisch spielen zwei junge schwarze Mädels Dart. Nachdem die eine das Spiel gewonnen hat, ruft sie in deutscher Sprache: „Aus die Maus!!!“

Wir bekommen mit, dass sich die beiden Mädchen im munteren Berliner Dialekt miteinander unterhalten. Wir kommen mit ihnen ins Gespräch und fragen sie, wo sie so perfekt deutsch gelernt haben. Sie erzählen uns, dass sie beide in der damaligen DDR in Brandenburg aufgewachsen sind und nach der Wende wieder nach Namibia zurück kehren mussten. Deutsch ist damit zu ihrer zweiten Muttersprache geworden. Echt witzig!

Nach dieser Einführung in das namibische Nachtleben fahren wir spät am Abend noch ein bisschen durch die leeren Straßen Windhoeks, bis wir auf einigen Umwegen wieder unsere Unterkunft erreichen.


7. Tag: Etosha-Nationalpark / Namutoni


Wir verzichten am nächsten Morgen auf ein Frühstück in Windhoek, um schon in der Frühe einen großen Teil unserer heutigen Wegstrecke zu bewältigen. Unser nächstes Ziel ist der Etosha-Nationalpark im Norden Namibias. Noch bevor der Berufsverkehr richtig losgeht, verlassen wir schon die 200.000-Einwohner-Stadt auf der Autobahn B1. Dass auch Windhoek seine Schattenseiten hat, davon zeugen die der Stadt vorgelagerten Townships wie Katutura, in denen ein großer Teil der schwarzen Bevölkerung in relativer Armut lebt. Arbeitslosigkeit und geringe Ausbildung sind, wie fast überall in Afrika, ein großes Problem.

Hinter einer längeren Gefällstrecke geraten wir in eine Verkehrskontrolle. Dummerweise bin ich ziemlich flott gefahren und muss daher eine volle Bremsung hinlegen, um noch rechtzeitig zum Stehen zu kommen. Aber der schwarze Polizist ist gnädig mit uns. Als er hört, dass wir Touristen sind, läßt er uns ohne Strafe weiterfahren. Da hatten wir ja noch mal Glück!

Mit etwas vorsichtigerer Fahrweise erreichen wir dann den Ort Okahandja, wo wir sehr günstig Biltong (getrocknetes Wildfleisch) einkaufen und dann dem großen Kavango-Holzschnitzermarkt einen Besuch abstatten. Simone verteilt Bonbons unter einigen Herero-Kindern. Die Kleinen freuen sich wie verrückt und können es kaum fassen, dass sie solche Leckereien geschenkt bekommen.

Nachdem wir unser ohnehin schon reichliches Gepäck im Kombi noch mit einigen günstig erworbenen Holzarbeiten ergänzt haben, geht es weiter durch dichte Baumsavanne nach Norden. Die Schilder am Straßenrand, die vor Wildwechsel warnen, sollte man wirklich ernst nehmen. Mehrmals sehen wir große Warzenschweine im dichten Gras am Straßenrand. Ein Zusammenstoß mit einem solchen Tier ist nicht gerade zu empfehlen. Auch Kudu-Antilopen, die die Farmzäune mit Leichtigkeit überspringen, und andere größere Tiere können zur Gefahr werden. Auf den riesigen Farmen in dieser Region Namibias leben neben Rindern und Schafen auch noch viele Wildtiere, die in Südafrika größtenteils nur noch in Nationalparks vorkommen.

In Otjiwarongo, dem nächstgrößeren Ort weiter nördlich, finden wir wieder Spuren der deutschen Kolonialzeit. In der Bäckerei Café Carstens gibt es frisch belegte Brötchen und leckeren Kuchen zum Frühstück. Anschließend versorgen wir uns noch im Supermarkt reichlich mit Getränken für die nächsten Tage.

Auf der weiteren Fahrt nach Tsumeb wird uns deutlich, zu welch ungeheurer Vermehrung der starke Regen nicht nur bei den Pflanzen, sondern auch bei den Insekten geführt hat. Die Teerstraße nach Nordosten ist übersät von zig millionen Crickets. Dabei handelt es sich um enorm große, langbeinige Insekten, die - ähnlich wie Grillen - erstaunlich laute Geräusche erzeugen können. Die Straße ist teilweise mehrere Kilometer lang von diesen schwarzen Krabbelviechern bedeckt. Überfährt man sie, was sich nicht vermeiden läßt, stürzen sich sofort andere Crickets auf ihre zerquetschten Artgenossen und fressen deren Überreste auf. Dies führt natürlich dazu, dass noch mehr dieser kannibalischen Insekten auf die Straße krabbeln.

Etwa 50 km vor Tsumeb führt die B1 auf einer sehr schönen Strecke durch die dicht bewachsenen Otavi-Berge. An Tsumeb vorbei fahren wir in nordwestliche Richtung zum Lake Otjikoto. Dieser tiefe See ist entstanden, als eine unterirdische Höhle im hier vorkommenden Dolomitgestein einstürzte. Zur Zeit des ersten Weltkrieges versenkten fliehende deutsche Soldaten ihr gesamtes militärisches Gerät in diesem See, um zu verhindern, dass es den nachrückenden südafrikanischen Truppen in die Hände fiel.



Jetzt trennen uns nur noch knapp 100 km vom östlichen Eingang des Etosha-Nationalparks. Eine Stunde später stehen wir auch schon vor dem Etosha Gate. Von dort sind es nur noch ein paar Kilometer bis zum Fort Namutoni, unserer ersten Unterkunft im Park. Schon auf dem Weg können wir einige der seltenen Dik-Diks beobachten, der kleinsten Antilopenart des Nationalparks.

Namutoni ist ein ehemaliges deutsches Fort, das mittlerweile als Touristenunterkunft genutzt wird. Wir übernachten allerdings nicht im Fort selbst, sondern in einem der Bungalows des rundherum angelegten Nationalpark-Camps. Vom Aussichtsturm des Forts hat man einen sehr schönen Blick auf die Umgebung. Mit einem Fernglas können wir von dort in der endlosen Savannenlandschaft schon einige Giraffen entdecken. Auch der östliche Rand der riesigen Etosha-Pfanne ist zu erkennen.

Es gibt aber auch einige Dinge, die uns nicht so gut gefallen: die Preise für Parkeintritt und Unterkunft sind verhältnismäßig hoch (der Eintrittspreis muss übrigens für jeden Aufenthaltstag auf's Neue bezahlt werden und nicht nur einmal, wie im Krüger-Nationalpark). Außerdem wirkt die ganze Anlage ziemlich ungepflegt und ist teilweise renovierungsbedürftig. Man könnte wirklich mehr daraus machen. In dieser Beziehung sollten sich die entsprechenden Stellen in Namibia ein Beispiel an den Nationalpark-Camps in Südafrika nehmen. Entsprechend negativ fallen auch die Einträge vieler Besucher in den Gästebüchern aus.



Aber wir sind ja zur Tierbeobachtung hierher gekommen, und nicht, um komfortabel zu wohnen. Deshalb starten wir gleich am Nachmittag unsere erste Pirschfahrt. Wir nehmen den sog. Dik-Dik-Drive, einen Rundweg, der an einem wildreichen Wasserloch vorbei führt. Die Wilddichte in der Gegend um Namutoni ist auch außerordentlich hoch, wie wir sehr bald feststellen. Wir sehen weitere Dik-Diks, Zebras, Kudus, Springböcke, Schwarznasen-Impalas, Oryx-Antilopen, Giraffen und Mungos. Die Pirsch macht wahnsinnigen Spaß.

Die Pisten des Parks bestehen aus einer gut verdichteten Mischung aus Sand, Lehm und Kies und lassen sich auch mit einem normalen PKW problemlos befahren. Ein Tempolimit von 60 km/h gilt auf allen Strecken. Meistens fährt man natürlich erheblich langsamer, um auch gut Tiere beobachten zu können. Die Entfernungen innerhalb des Parks und zwischen den Camps sind jedoch recht groß, so dass man die Zeit abhängig von der zu fahrenden Strecke großzügig planen sollte.

Auf dem Pan Edge Drive, der wie der Name schon sagt, am Rande der Pfanne entlang führt, sehen wir außer Gnus, Zebras und Giraffen auch schon die ersten Raubkatzen. In der Nähe eines Kadavers, an dem sich schon Schakale und Geier tummeln, liegen 2 Löwinnen faul im hohen Gras herum. Wir sind begeistert. Neben den Säugetieren sehen wir auf unserer Pirschfahrt auch zahlreiche verschiedene Vogelarten. Unsere erste Pirschfahrt im Etosha-Nationalpark ist also ein voller Erfolg.

Wieder zurück in Namutoni schauen wir uns gemeinsam mit einigen anderen Touristen den Sonnenuntergang vom Aussichtsturm aus an. Das Abendessen im Restaurant entschädigt uns dann auch für die bereits erwähnten Kritikpunkte. Es gibt ein umfangreiches Buffet von hervorragender Qualität, das noch dazu sehr preiswert ist.


8. Tag: Etosha-Nationalpark / Halali


Wie gewohnt stehen wir kurz nach Sonnenaufgang auf und machen eine Frühpirsch, diesmal zum Wasserloch Twee Palms. Wir sehen zwar da und dort einige Antilopen, aber außergewöhnliche Begegnungen haben wir ansonsten keine. Auch auf dem Dik-Dik-Drive ist bei weitem nicht mehr so viel los wie gestern. Da heute Morgen der Himmel über Namutoni stark bewölkt ist, beschließen wir, weiter zum nächsten Camp Halali zu fahren.

Auf der Fahrt nach Südwesten machen wir hier und da einen Abstecher von der Hauptpiste. Einmal besuchen wir ein Wasserloch, ein anderes Mal fahren wir einen kleinen Rundweg entlang der Etosha-Pfanne. Immer halten wir aufmerksam Ausschau nach Tieren, aber außer ein paar Springböcken, einer Kuhantilope, Oryx-Antilopen und einem Schakal läuft uns nichts weiter über den Weg. Schade!

Wir kommen schließlich in ein Gebiet, wo es noch vor kurzem stark geregnet haben muss, denn in der Piste sind noch große Pfützen vorhanden. Nachdem wir einige dieser Mini-Wasserlöcher durchfahren haben, ist von der roten Farbe unseres Autos nicht mehr viel zu erkennen. Der ganze Wagen ist durch das Spritzwasser von oben bis unten bedeckt mit einer cremefarbenen Schlammschicht. Naja, vielleicht sind wir so besser getarnt und kommen näher an die Tiere ran ;-).

Der weitere Verlauf der Piste entlang der Etosha-Pfanne ist wegen Straßenschäden gesperrt, so dass wir einer Umleitung folgen müssen, die uns ins Gebiet der Helio Hills führt, eine der wenigen Erhebungen im Etosha-Nationalpark. Dort haben wir auch eine aufregende Begegnung mit einigen Fleckenhyänen, die dicht vor uns über die Piste laufen. Nur an den Wasserlöchern entlang des Weges herrscht gähnende Leere. Die Tiere müssen diese künstlich geschaffenen Wasserstellen zur Zeit nicht aufsuchen, da sie durch den Regen ohnehin überall genügend Wasser vorfinden. Selbst die Etosha-Pfanne war wenige Wochen zuvor noch voller Wasser und bildete einen großen flachen See. Eine schlechte Zeit für Tierbeobachtungen. Aber dafür ist die Landschaft sehr schön grün, und an vielen Stellen blühen kleine gelbe Wildblumen.

Wir erreichen das kleinere Camp Halali, dessen Einfahrt ein großer Elefantenschädel ziert. Halali liegt am Fuße eines Hügels, der sog. Halali-Koppie. Am Rande des Hügels gibt es auch ein Versteck, von dem aus man gut ein Wasserloch überblicken kann. Nachdem wir unseren Tageseintritt und die Kosten für die Übernachtung bezahlt haben, beziehen wir unsere Hütte. Diese macht leider auch keinen besseren Eindruck als unser Bungalow in Namutoni. Aus der Klimaanlage tropft Wasser, so dass wir unsere Betten etwas außer Reichweite rücken müssen, um nicht nass zu werden.

Unser Vorhaben, am Wasserloch einen gemütlichen Nachmittag zu verbringen, werfen wir auch über den Haufen, da sich dort auch nach längerer Zeit kein Tierchen blicken läßt. In der Nähe der Wasserstelle Sueda am Rande der Pfanne sollen dagegen Löwen gesichtet worden sein. Also machen wir uns hoffnungsvoll auf den Weg dorthin.

Dort angekommen, ist nichts, aber auch gar nichts, zu sehen. So ein Pech. Nach einiger Wartezeit fahren wir am späten Nachmittag über den Rhino Drive zurück nach Halali. Statt Nashörnern begegnen uns immerhin ein paar niedliche Mungos und ein großes Kudu-Männchen mit gewaltigen Hörnern. Auch von Elefanten ist weit und breit keine Spur zu entdecken. Den Aussagen der Wildhüter in Halali zufolge, sind die meisten Elefanten während der Regenzeit in den westlichen Teil des Nationalparks abgewandert, den man leider als Tourist nicht besuchen darf.

Das Abendessen im Camp ist leider enttäuschend. Zum gleichen Preis wie in Namutoni wird nur eine sehr bescheidene Auswahl an Speisen am Buffet aufgetischt. Wirklich kein Vergleich zum gestrigen Abend.

Im Dunkeln wandern wir noch mal ans beleuchtete Wasserloch. Außer einer Unmenge an Mücken im Scheinwerferlicht gibt es aber auch diesmal nichts zu sehen. Man kann halt nicht immer Glück haben.


9. Tag: Etosha-Nationalpark / Okaukuejo


Ein neuer Tag bringt (hoffentlich) neues Glück. An diesem Morgen führt uns unsere Frühpirsch zu einem Aussichtspunkt, der sich innerhalb der flachen Etosha-Pfanne befindet. Auf dem Weg sehen wir endlich mal wieder einige Giraffen und Oryx-Antilopen. Eine befestigte und mit Seilen markierte Piste führt etwa einen Kilometer in die Pfanne hinein, die mittlerweile schon wieder fast getrocknet ist. Der lehmartige Boden ist aber trotzdem noch sehr weich und nachgiebig, wie wir feststellen können, als wir in sicherer Umgebung kurz das Auto verlassen.

Man kann sich gut vorstellen, wie weiß und strahlend hell die Pfanne während der Trockenzeit aussehen muss, wenn die Tierherden in der flirrenden Hitze zu den Wasserlöchern wandern und Luftspiegelungen den Eindruck erwecken, die Pfanne sei mit Wasser gefüllt. Vor wenigen Wochen war letzteres sogar noch Realität.

Auf dem Rückfahrt zum Camp sehen wir noch Strauße und eine beeindruckend große Gruppe von Schwarzstörchen, die sich direkt am Rand der Piste versammelt hat.

In Halali nutzen wir die noch angenehmen Temperaturen an diesem sonnigen Morgen, um uns etwas die Beine zu vertreten, und machen eine kurze Wanderung über den Dolomithügel innerhalb des umzäunten Camps. Offensichtlich wird dieser Trampelpfad nur sehr selten begangen, denn der Weg ist so stark von Pflanzen überwuchert, dass man ihn kaum noch erkennen kann. Wieder fallen uns die zahlreichen Crickets auf, die überall munter herum kriechen.

Anschließend packen wir unsere Sachen zusammen, tanken noch auf und informieren uns vor der Abfahrt zum nächsten Camp noch über die aktuellen Tier-Sichtungen, die man in einem speziellen Buch eintragen kann, das an der Rezeption ausliegt. Am Wasserloch Sueda ist an diesem Morgen erneut ein Rudel Löwen gesichtet worden. Damit steht unser nächstes Ziel fest.

In der Hoffnung auf dem Weg vielleicht doch noch auf ein Nashorn zu treffen, wählen wir wieder den Rhino Drive. Aber auch diesmal will sich keiner der Dickhäuter zeigen. Die Vegetation ist einfach zu dicht. Dafür beeindrucken Unmengen blühender Wildblumen, die die Savanne in einen gelben Blütenteppich verwandeln. Einfach ein unglaubliches Bild im Etosha-Nationalpark!

Am Rande der Pfanne bei Sueda haben wir aber dann doch großes Glück. Das besagte Löwenrudel befindet sich wirklich noch dort. Leider auch ein ganzer Bus mit Touristen, denn es hat sich sicher herumgesprochen, dass dieses Wasserloch zu den Interessanteren gehört. Aber mit unserem Fernglas bewaffnet können wir die großen Raubkatzen sehr schön beobachten, die sich etwas von der Wasserstelle entfernt zur Ruhe gelegt haben. Wir warten, bis nach einiger Zeit auch die letzten Touristen weg gefahren sind, dann haben wir die Löwen ganz alleine für uns. An dieser Stelle (aus eigener Erfahrung) noch ein dringender Appell: Es ist unglaublich verlockend, mal kurz auszusteigen und sich auf das Auto zu stellen, um eine gute Position zum Filmen oder Fotografieren zu erhalten. Dies sollte man auf keinen Fall tun!! Wir lernen an diesem Abend noch eine Frau kennen, die selbst mehrere Jahre Wildhüterin im Nationalpark war und dort erleben musste, wie Touristen genau aus diesem Grund Opfer eines Löwenangriffs wurden. Es gehört zwar schon eine Menge Ausdauer und Geduld dazu, längere Zeit bei großer Hitze im sicheren Fahrzeug zu bleiben und von dort aus zu beobachten, aber alles andere ist grob fahrlässig und streng verboten!



Die weitere Fahrt zum Camp Okaukuejo ist dann nicht mehr weiter aufregend. Wir sehen noch eine ganze Menge Springböcke, die in den weiten Ebenen um Okaukuejo sehr zahlreich vertreten sind. Okaukuejo ist das älteste der drei Camps und zugleich auch Sitz der Administration des Nationalparks. Besonders auffällig ist ein ca. 20 m hoher Aussichtsturm aus Kalkstein, der einen tollen Blick auf die weitere Umgebung ermöglicht. Das Camp wirkt am modernsten von den dreien. Nach einem Brand Ende 1997 wurde das Restaurant neu errichtet und vor einem Jahr wieder eröffnet. Zwei schöne Swimmingpools neben dem Restaurant-Gebäude laden zu einer verlockenden Abkühlung ein, so dass wir kurz nachdem wir unsere Hütte bezogen haben, schon im Wasser sind und mal zwei Stunden relaxen.

Dann packt uns aber schon wieder das „Pirschfieber“ und wir beginnen unsere vorerst letzte lange Nachmittagsfahrt durch den Etosha-Nationalpark. Nordwestlich von Okaukuejo durchqueren wir die flache, fast baumlose Savanne und begegnen dabei unzähligen Springböcken, vielen Zebras und auch einigen Gnus und Oryx-Antilopen. Besonders interessant und fremdartig wirkt der sog. Ghost Tree Forest auf uns, der etwas weiter westlich liegt. Diese groteske Ansammlung von Moringa-Bäumen bildet einen starken Kontrast zur Grassavanne rings herum. Die Stämme und Äste der Bäume sind teilweise wirklich ungewöhnlich geformt. Dies soll hauptsächlich von Giraffen und Elefanten verursacht worden sein. Ansonsten haben wir noch eine lustige Begegnung mit putzigen Erdhörnchen, die vor Neugier fast in unser Auto springen.



Auf der Rückfahrt zum Camp werden wir Zeuge, wie ein unvorsichtiger Tourist in einem Geländewagen fast die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert, als er mit überhöhter Geschwindigkeit einem tiefen Schlagloch auf der Piste ausweichen will und uns dabei fast rammt! So ein Trottel! Erstens herrscht im Etosha-Nationalpark eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h, was unserer Meinung nach schon ziemlich hoch ist, und außerdem hat der lockere Bodenbelag auf den Pisten stellenweise die gleichen Eigenschaften wie Glatteis, weswegen schnelle Richtungswechsel möglichst zu vermeiden sind. Kein Wunder, dass in Namibia fast jedes Jahr einige Touristen Opfer von tödlichen Verkehrsunfällen werden. Die Pisten im Land lassen sich eben nicht wie deutsche Autobahnen befahren, auch nicht, wenn man über einen Geländewagen verfügt!

Nach dem Abendessen im neuen Restaurant in Okaukuejo (wesentlich besseres Buffet als in Halali, aber nicht ganz so gut wie in Namutoni), verweilen wir noch einige Zeit am beleuchteten Wasserloch am Rande des Camps. Leider kommen außer ein paar Gnus keine weiteren Tiere zum Trinken vorbei. Aber dafür lernen wir auf dem Weg zurück zu unserer Hütte durch Zufall eine kleine Reisegruppe mit ihrer namibischen Reiseleiterin kennen. Wir trinken ein paar Bier zusammen und erleben einen witzigen Abend. Allerdings erfahren wir dabei auch, welche Schwierigkeiten uns voraussichtlich auf der weiteren Tour bevorstehen, da viele wichtige Straßen durch die Überflutungen stark beschädigt sind.


10. Tag: Outjo / Ugab-Tal


Unser geplantes Ziel für die nächste Übernachtung ist der Ort Khorixas im Damaraland, südwestlich von Etosha. Allerdings haben wir auf unserer Reise bisher nur wenig Gutes von der dortigen, staatlich verwalteten Khorixas Lodge gehört. Wir haben Khorixas hauptsächlich ausgewählt, um die berühmten Felsgravuren von Twyfelfontein zu besuchen, die sich ca. 90 km weiter befinden. Die Pisten dorthin sollen aber nach der Regenzeit in wirklich üblem Zustand sein.

Also beschließen wir, den Etosha-Nationalpark schon früh morgens zu verlassen, um genügend Zeit für den heutigen Tag zu haben. Auf dem Weg vom Camp Okaukuejo zum südlich gelegenen Andersson's-Gate nehmen wir noch einen der schwarzen Angestellten des Parks mit, auch wenn wir dafür in unserem mit Gepäck voll gestopften Wagen erst mal etwas Platz schaffen müssen.

Der nächste Ort südlich vom Etosha-Nationalpark ist Outjo, den wir nach etwa einer Stunde Fahrt auf einer guten Teerstraße erreichen. In Outjo suchen wir das kleine Etosha Garten Hotel auf, das von einem Ehepaar aus Österreich geführt wird. Man serviert uns ein sehr leckeres Frühstück auf der Veranda mit Blick auf den schönen Garten. Von dem aufmerksamen Besitzer, Herrn Sudwischer, erfahren wir, dass wir unter den momentanen Verhältnissen nahezu keine Chance haben, Twyfelfontein mit unserem PKW zu erreichen, da die Piste streckenweise nur aus Sand besteht und einige Riviere (Trockenflüsse) durchquert werden müssen. Wir verspüren wenig Lust, irgendwo im einsamen Damaraland mit dem Auto stecken zu bleiben. Daher werfen wir unsere Pläne kurzerhand um und entscheiden uns, der Einfachheit halber gerade hier zu bleiben und im Etosha Garten Hotel zu übernachten. Zum Glück ist auch noch ein Zimmer frei.

Herr Sudwischer ist auch so freundlich und verhandelt für uns telefonisch mit der Khorixas Lodge, damit unsere Buchung kurzfristig storniert wird. Unsere nachfolgende Unterkunft am Brandberg ist allerdings weiterhin telefonisch nicht zu erreichen. Morgen wollen wir stattdessen im Bernabé-de-la-Bat-Rastlager am Waterberg übernachten., bevor wir - wie geplant - zum Erongo-Gebirge weiterfahren.

Jetzt ist aber erstmal wieder Faulenzen angesagt. Es ist heute außerordentlich heiß und was liegt also näher, als die Mittagszeit auf gemütlichen, gepolsterten Liegen am Swimmingpool zu verbringen und sich zu sonnen? Das Etosha Garten Hotel können wir auf jeden Fall uneingeschränkt empfehlen. Die Zimmer sind sehr liebevoll eingerichtet, alles ist sauber und sehr gepflegt und der persönliche Kontakt mit den aufmerksamen Gastgebern läßt wirklich keine Wünsche offen.



Am Nachmittag geht es wieder auf Tour, denn wir wollen uns den Vingerklip-Felsen bei den Ugab-Terrassen ansehen. Dem Tipp von Herrn Sudwischer folgend nehmen wir nicht die geteerte C39, sondern die landschaftlich reizvollere Strecke auf der Piste D2752 durch das Ugab-Tal. Anfangs ist die Piste in hervorragendem Zustand und wir kommen relativ rasch voran, doch dann müssen wir zum ersten Mal den noch Wasser führenden Fluss Ugab durchqueren. Da hilft nur: kräftig Schwung nehmen und durch!

Das Tal ist noch sehr grün und wird von namibischen Farmern als Weideland genutzt. Daher müssen wir hin und wieder ein Farmtor durchqueren. Meistens öffnen uns die schwarzen Farmarbeiter schon die Gatter, wenn wir angefahren kommen. Ansonsten haben wir allerdings nicht gerade den Eindruck, dass diese Strecke öfters von Touristen befahren wird. Im Hintergrund sind schon die ersten Tafelberge zu sehen, weswegen das Ugab-Tal auch manchmal das „Monument Valley von Namibia“ genannt wird.

Einige Kilometer weiter sehen wir, dass die sandige Piste vor uns sehr tief zerfurcht ist. Wegen der geringen Bodenfreiheit unseres Kombis müssen wir aussteigen und den Weg vor uns zunächst etwas glätten. Dabei kommt zum ersten Mal unsere mitgebrachte Klappschaufel zum Einsatz. Wenn es dabei nur geblieben wäre...

Schweißüberströmt (es ist sicher über 35°C) überwinden wir das Hindernis und fahren noch ca. 15 km weiter. Doch dann taucht vor uns zum zweiten Mal das Flussbett des Ugab auf. Wir steigen aus und inspizieren zunächst zu Fuß die Lage. Auch wenn der Fluss schon fast wieder ausgetrocknet ist, hat er doch während der letzten Überschwemmung soviel feinen Sand in seinem Lauf angehäuft, dass die Piste einen guten halben Meter hoch damit bedeckt ist. Hier ist ein Weiterkommen bestenfalls noch mit einem Geländewagen möglich. Den Weg freizuschaufeln würde sicher tagelange Arbeit bedeuten.

Also bleibt uns nichts anderes übrig, als nur wenige Kilometer vor dem Ziel umzukehren und die gesamte staubige Piste wieder bis zur Teerstraße zurück zu fahren. Die ganze Schaufelei war praktisch umsonst! Außerdem haben wir auf diese Weise über 2 Stunden Zeit verloren.

Etwas frustriert stoßen wir später wieder auf die geteerte Straße und fahren im Eiltempo nach Westen in Richtung Khorixas. Nach nur einer halben Stunde biegen wir an einer ausgeschilderten Abzweigung nach links auf die Piste zum Vingerklip-Felsen ab. Diese Pad ist zwar ebenfalls sehr holprig und staubig, aber sie stellt weiter kein Problem für uns dar. Am späten Nachmittag kommen wir dann endlich an unserem Ausflugsziel an.



Die ca. 35 m senkrecht aufragende Säule aus Kalkstein-Konglomeraten und die sie umgebenden Tafelberge sind die Überreste eines früheren Plateaus, das im Laufe der Zeit vom Ugab-Fluss ausgewaschen wurde. Der Blick vom Fuße des Felsens gehört zu den landschaftlichen Szenarien, die man so leicht nicht wieder vergisst. Besonders im späten Nachmittagslicht werden die Felsen golden angeleuchtet. Einfach phantastisch!

Bevor wir nach Outjo zurück kehren, statten wir der exklusiven Vingerklip-Lodge noch einen kurzen Besuch ab. Diese Unterkunft ist am Rande eines der Tafelberge in erhöhter Lage errichtet worden. Der Blick von der luxuriösen Lodge ist einfach atemberaubend! Trotz des relativ hohen Zimmerpreises lohnt sich eine Übernachtung hier mit Sicherheit.

Während der Rückfahrt geht die Sonne schon unter, so dass wir etwas langsamer fahren müssen, da im Dunkeln immer mit Wildwechsel zu rechnen ist. Als wir dann endlich wieder im Etosha Garten Hotel ankommen, hat sich das Ehepaar Sudwischer schon Sorgen um uns gemacht. Herr Sudwischer ist es äußerst peinlich, dass er uns auf die schlechte District-Pad geschickt hat, aber er kann ja auch nicht den Zustand aller Pisten im Umkreis genau kennen.

Nach der Dusche gibt es dann ein phantastisches Abendessen im Hotel. Zur Vorspeise nehmen wir Kudu-Carpaccio, als Hauptgericht gibt es Roulladen vom Gnu mit handgeschabten Spätzle und zum Nachtisch bekommen wir hausgemachten Apfelstrudel serviert. Alles absolut frisch zubereitet und superlecker! Das gute Essen passt somit genau zu unserem Gesamteindruck über dieses empfehlenswerte Landhotel.

Später sitzen wir noch lange zusammen an der Bar und erleben einen feuchtfröhlichen Abend. Gut gefällt uns auch, dass die schwarzen Angestellten nach Feierabend mit den weißen Gästen zusammen an der Bar sitzen, so dass man mit ihnen auch mal ins Gespräch kommt. In Südafrika erlebt man dies noch recht selten.


11. Tag: Waterberg-Plateau-Nationalpark


Nach dem leckeren Frühstück am nächsten Tag verabschieden wir uns von den Sudwischers und folgen der Teerstraße C38 in südöstlicher Richtung, bis wir eine knappe Stunde später wieder die kleine Stadt Otjiwarongo erreichen, die wir bereits auf dem Hinweg zum Etosha-Nationalpark besucht haben. Nach einem kurzen Halt am Supermarkt, wo wir uns mit frischem Obst und mit Getränken versorgen, fahren wir noch knapp 80 km bis zur Abzweigung zum Waterberg Plateau-Nationalpark. Auf der Sandpiste, die zum Waterberg führt, wimmelt es mal wieder von tausenden von Crickets, die sich in dieser Region Namibias unglaublich vermehrt haben. Unangenehmer für uns sind allerdings eher die tiefen Reifenspuren im Sand und die kleinen Wasserläufe, die wir stellenweise durchfahren müssen. Aber es geht alles gut, und wir kommen ohne Probleme am Eingang des Nationalparks beim Restcamp Bernabé-de-la-Bat an. Eine freier Bungalow am Berghang ist glücklicherweise auch noch verfügbar.



Der Gebiet des Nationalparks befindet sich hauptsächlich auf dem Plateau des Waterbergs, der die Savannen-Ebene etwa 200 m überragt und auf allen Seiten von senkrecht abfallenden Felswänden begrenzt wird. Der aus rotem Sandstein bestehende Tafelberg beherbergt eine ganze Reihe seltener Tierarten, wie z.B. die einzige Kapgeier-Population in Namibia, Büffel, Spitz- und Breitmaulnashörner, Pferde- und Rappenantilopen, Giraffen, Kudus, Impalas, Kuh- und Elen-Antilopen, Dik-Diks, Klipspringer und noch einige andere Arten.

Allerdings bekommt man die meisten Tiere auch auf den angebotenen Wildbeobachtungsfahrten nur selten zu Gesicht, da das Plateau sehr zerklüftet und von dichter Vegetation bedeckt ist. Die scheuen Tieren können sich so sehr leicht verbergen. Mit dem eigenen Fahrzeug darf man das Plateau nicht besuchen.

Dafür kann man nach Voranmeldung den Nationalpark zu Fuß auf einer zweitägigen Wanderung erkunden. Schade nur, dass wir zu wenig Zeit dazu haben. So bleibt uns nur übrig, auf den kürzeren Wanderpfaden innerhalb des großräumig angelegten Camps zu laufen. Einer davon führt auch hinauf zum Plateau, von wo aus man einen wunderbaren Ausblick auf das weite Buschland hat.

Das Bernabé-de-la-Bat-Rastlager dürfte übrigens das am besten gepflegte staatlich geführte Camp in Namibia sein. Es ist so geschmackvoll in die urwaldartige, tropische Vegetation am Berghang unterhalb der Steilwände des Waterbergs integriert worden, dass man das Camp aus der Vogelperspektive kaum erkennen kann. Ein Restaurant, ein Geschäft und ein riesiger, sauberer Swimmingpool sind vorhanden. Unsere Hütte ist für 3 Personen ausgelegt, besitzt eine Küche und befindet sich in tadellosem Zustand. Auch der Preis für die Hütte (umgerechnet rund 75 DM pro Nacht) ist für namibische Verhältnisse sehr günstig.

Aufpassen muss man allerdings auf räuberischen Paviane, die oft auf der Suche nach Nahrung im Camp herumlaufen und jede Gelegenheit ausnutzen, in die Hütten einzudringen. Wie auch mancherorts in Südafrika eine Folge des unerlaubten Fütterns durch Touristen! Die fast zahmen, kleinen Dik-Diks innerhalb des Camps gehören sicher zu den angenehmeren Zeitgenossen.

Auch wenn die Pfade keine echte Herausforderung für geübte Wanderer darstellen, lohnt es sich doch sehr, sie alle abzulaufen (problemlos an einem Nachmittag möglich), da sie durch Gebiete mit sehr kontrastreicher Vegetation führen (Urwald, Aloen, Buschland). Außerdem finden wir sehr viele Kleintiere auf dem Weg, wie z.B. Mistkäfer, Echsen, große, farbenprächtige Spinnen und Klippschliefer. Die stark zerklüfteten Sandsteinfelsen auf dem Plateau sind ebenfalls sehenswert. Aber Achtung, ohne Erlaubnis darf man nicht weiter ins Innere des Plateaus vordringen, da einige der dort lebenden Tiere (Büffel, Nashörner) für Menschen gefährlich werden können!

Als wir von der Wanderung zurück kehren, hat einer der schwarzen Angestellten in der Zwischenzeit unseren Wagen gewaschen, wofür er sich ein gutes Trinkgeld verdient hat. Jetzt, wo die aus dem Etosha-Gebiet stammende helle Schlamm- und Staubschicht entfernt ist, strahlt der Wagen wieder in seiner feuerroten Farbe!

Am späten Nachmittag erfrischen wir uns noch ein Stündchen am Pool und genießen die Sonne und die herrliche Abkühlung nach der Hitze des Tages. Das Abendessen im Restaurant ist auch ganz o.k. Mittlerweile bereuen wir es jedenfalls nicht mehr, dass wir Twyfelfontein und den Brandberg nicht besuchen konnten. Der Aufenthalt im Etosha Garten Hotel und der Abstecher zum Waterberg waren auf jeden Fall eine sehr schöne Alternative.


12. Tag: Erongo-Gebirge / Farm Ameib


Unsere nächste Unterkunft haben wir auf der Farm Ameib im Erongo-Gebirge vorgesehen. Die Fahrt dorthin führt uns zum dritten Mal auf dieser Reise durch Otjiwarongo, wo wir die Gelegenheit nutzen und in der deutschen Bäckerei Carstens wieder ein gutes Frühstück zu uns nehmen. Von dort fahren wir die geteerten Straße C33 nach Omaruru, die an endlos langen Weidezäunen entlang führt. Einmal begegnet uns am Straßenrand sogar eine Oryx-Antilope, die wahrscheinlich den Zaun einer Wildfarm überwunden hat. Mit Tieren, die die Fahrbahn überqueren, muss man also immer und überall rechnen.

Im Post Office von Omaruru schicken wir einige Postkarten ab, die Simone am Vortag geschrieben hat. Noch ein kurzes Telefongespräch nach Kapstadt, dann sind wir schon wieder unterwegs. Eine halbe Stunde später erreichen wir die B2, die Windhoek mit Swakopmund verbindet. Auf dem Weg nach Westen nähern wir uns schon langsam der Namib-Wüste. Der Bewuchs in der Umgebung wird immer kärger. Nördlich von uns ragt das über 2.300m hohe Granitsteinmassiv des Erongo-Gebirges aus der Ebene. In Usakos, einem kleinen Ort, der früher mal eine bedeutende Eisenbahnstation war, finden wir gleich die Abzweigung zur Farm Ameib, die am Rande des Gebirges liegt. Allerdings werden uns die nächsten 30 km, die wir nun überwinden müssen, noch längere Zeit im Gedächtnis bleiben.

Zunächst müssen wir gleich hinter Usakos das sandige Flussbett des Khan-River durchfahren. Während des Hochwassers vor ein paar Wochen hat dieser Fluss die alte Piste weggespült und ein tiefes Sandbett in seinem Lauf hinterlassen, das mit einem Geländewagen zwar problemlos überwunden werden kann, doch für unseren tief liegenden Kombi ein großes Problem darstellt. Wir wagen die Durchfahrt zunächst nicht, sondern steigen aus und tasten das Sandbett zu Fuß ab. Kurze Zeit später kommt uns ein Schwarzer in einem Bakkie (Kleintransporter) entgegen, den wir anhalten und um Rat bitten. Er schaut sehr zweifelnd unseren Wagen an und bietet uns dann an zu warten, bis wir das Flussbett durchfahren haben. Prompt bleiben wir bei dem Versuch nach etwa zwei Dritteln der Flussbreite im tiefen Sand stecken. Da hilft auch kein Freigraben der Reifen, alleine bekommen wir den Wagen nicht mehr los. Nachdem ich geschaufelt habe, was das Zeug hält, bin ich schon nach kurzer Zeit wegen der Hitze völlig fertig. Aber wir haben Glück! Ein zweiter Bakkie mit einer Farmarbeiter-Familie kommt ebenfalls noch hinzu. Mit vereinten Kräften gelingt es uns dann, den Wagen wieder anzuschieben, nachdem wir zusätzlich unsere Fußmatten als Unterlagen missbraucht und den Reifendruck auf die Hälfte gesenkt haben.

Dann erleben wir mal wieder einen Akt großer Hilfsbereitschaft, denn die schwarze Farmarbeiter-Familie will uns auf dem schwierigsten Abschnitt des Weges nach Ameib begleiten, obwohl sie gerade erst aus dieser Richtung gekommen ist. Dankbar nehme wir dieses Hilfeangebot an und schaffen es dann auch, die nächsten Flußarme mit Müh und Not und mit stark durchdrehenden Reifen zu durchqueren. Als wir das Tal des Khan-River verlassen, bedanken wir uns bei der Familie mit einem Trinkgeld und fahren die letzten Kilometer auf einer der übelsten Holperstrecken, die uns in Namibia bisher begegnet ist, in Richtung der Berge bis zur Farm. Wir sind nun ziemlich sauer, denn erst vor zwei Wochen haben wir noch mit den Besitzern der Farm telefoniert und nach dem Zustand der Piste gefragt. Am Telefon wurden wir jedenfalls keineswegs vorgewarnt, obwohl man dort wusste, dass wir nur mit einem normalen PKW anreisen würden.

Entsprechend zeigt man sich auch erstaunt, dass wir solche Schwierigkeiten gehabt haben. Aber als wir uns auf dem Parkplatz der Farm umschauen, sehen wir dort ausschließlich Geländefahrzeuge. Die Eigentümerin der Farm, eine ältere Frau deutscher Abstammung, scheint sich jedenfalls für unsere Probleme wenig zu interessieren. Man zeigt uns unser Zimmer in einem kleinen Nebengebäude und teilt uns mit, dass das Mittagessen in einer halben Stunde fertig sei. Da wir völlig verschwitzt und schmutzig vom Freischaufeln sind, genehmigen wir uns rasch eine Dusche, bevor wir zum Essen gehen.

Das Mittagessen entpuppt sich dann als zwei fast leere Salatschüsseln und ein kleines Stück kalten, vertrockneten Perlhuhns. Außer uns sind noch ca. 8 weitere Gäste (alle aus Deutschland) anwesend, die ebenfalls über dieses „Festmahl“ wenig begeistert sind. Die Gastgeberin selbst läßt sich übrigens - entgegen aller Gepflogenheiten - nicht blicken. Nur zwei schwarze Kellner, die ungelernt und noch dazu sehr unfreundlich sind, bedienen uns. Wir bereuen schon, dass wir hier Vollpension gebucht haben (war anders aber auch gar nicht möglich).

Aber dafür sind wir ja auch nicht hierher gekommen. Also brechen wir kurz nach Mittag auf, um die bekannte Phillipp's-Höhle und die Steinformationen der Bull's Party zu besuchen. Die Sandpiste dorthin ist für uns erneut ziemlich schwierig zu überwinden. Wir schaffen es nicht mal, den Parkplatz zu erreichen, der für Besucher der Höhle vorgesehen ist, sondern stellen den Wagen am Pistenrand an einer Stelle mit festerem Untergrund ab. Da wir sowieso zur Höhle wandern müssen, macht ein Kilometer mehr oder weniger ja nichts aus. Die Hitze setzt uns ganz schön zu, aber wir haben uns ausreichend mit Getränken im Rucksack versorgt und genießen nun die Natur um uns herum. Der Weg ist ganz gut markiert und führt über eine Hügelkuppe in einen Talkessel, der übersät ist mit Felsbrocken und dichten Büschen. Die schroffe Gebirgslandschaft ist wirklich außerordentlich schön. Auch wilde Tiere wie Kudus, Giraffen, Paviane und Leoparden leben hier noch in freier Wildbahn, wie man an zahlreichen Spuren am Boden erkennen kann. Doch in der frühen Nachmittagshitze verbirgt sich alles Wild an schattigen Plätzen, so dass wir kein größeres Tier entdecken können. Der ungefähr einstündige Weg hinauf zur Phillipps-Höhle, die man schon vom Talkessel aus gut erkennen kann, ist wirklich eine sehr empfehlenswerte Wanderung. Die Umgebung hat sich wohl seit der Zeit, als hier noch Buschleute (San) lebten und die Höhle bewohnten, kaum verändert.



Die San-Malereien unter dem Felsüberhang der Höhle sind zwar nicht mehr so gut erhalten, aber immer noch sehenswert. Am bekanntesten ist die große Zeichnung eines weißen Elefanten, aber man findet auch viele Malereien anderer Tiere und auch typische Abbildungen der San selbst, die im Gegensatz zu den detaillierten Bildern der Tiere immer unnatürlich schlank und abstrakt dargestellt wurden. Auf einem flachen Stein in der Höhle hat man eine ganze Reihe von Requisiten ausgelegt, die man in der Höhle gefunden hat (Knochen, bearbeitete Steinwerkzeuge, usw.). Der Versuchung, hier irgend ein „Andenken“ mitgehen zu lassen, sollte man übrigens auf alle Fälle widerstehen, damit auch andere Besucher in Zukunft noch etwas vorfinden.

Beim Ausblick von der Höhle glaubt man sich in die Zeit vor vielen hunderten von Jahren versetzt, als die San hier auf die Jagd gingen und noch kein Europäer sein Fuß in dieses Land gesetzt hatte. Erst eine Gruppe Paviane, die in den Felsen über uns herum klettert, reißt uns aus unseren Gedanken an eine vergangene Epoche. Wir laufen zurück zum Wagen, wo wir unsere Trinkflaschen wieder auffüllen. Anschließend machen wir uns zu Fuß auf den Weg in Richtung Bull's Party, da die weitere Sandpiste zu tief zerfurcht ist, um sie mit unserem Wagen zu überwinden. Außerdem haben wir einfach keine Lust mehr zum Schieben und Schaufeln, zumal uns bisher auch noch niemand begegnet ist, der uns dabei helfen könnte.

Aussagekräftige Hinweisschilder gibt es leider nicht, und auf der Karte, die wir im Farmbüro erhalten haben, sind ebenfalls keine Entfernungen angegeben. Also laufen wir in der Hoffnung, dass es nicht zu weit ist, die Sandpiste entlang. Nach einer Stunde sehen wir allerdings immer noch nichts, was nach den Steinformationen aussehen könnte und beginnen daher langsam zu zweifeln, ob wir weiter ins Ungewisse wandern sollen. Unser Ziel kann schon hinter der nächsten Biegung liegen oder auch noch kilometerweit entfernt sein. Warum hat uns die Farmersfrau auch nicht vor der schlechten Sandpiste gewarnt, obwohl sie doch genau wusste, welche Schwierigkeiten wir schon bei der Anfahrt zur Farm hatten?

Aller Frust hilft nichts. Wir müssen umkehren, um vor Sonnenuntergang wieder zurück zu sein. Ziemlich verärgert suchen wir unsere „Gastgeberin“ auf und berichten ihr von unserem erfolglosen Versuch, die Bull's Party zu besuchen. Sie gibt sich wieder ganz erstaunt, bietet uns aber an, dass einer ihrer Angestellten uns am nächsten Morgen mit einem Geländefahrzeug dorthin fahren kann. Also lassen wir uns beschwichtigen und genießen zum Trost einen wunderbaren Sonnenuntergang im Erongo-Gebirge.



Enttäuscht werden wir dafür aber wieder beim Abendessen. Die gegrillten Oryx-Steaks schmecken zwar nicht übel, aber das Essen reicht nicht mal annähernd für die Zahl der Gäste. Als wir dann noch auf völlig unverschämte Art von einem der Bediensteten beim Gespräch mit zwei älteren deutschen Touristen unterbrochen werden, reicht es uns. Das ältere Ehepaar, das ursprünglich drei Nächte gebucht hat, will ebenfalls frühzeitig abreisen. Wir beschließen daher am nächsten Morgen hinter ihnen her zu fahren, da sie uns mit ihrem Landrover sicher helfen können, falls wir wieder stecken bleiben sollten.

Wir gehören wirklich nicht zu den besonders anspruchsvollen Reisenden, ganz im Gegenteil. Aber die Ameib-Ranch gehört zu den teuersten Unterkünften auf unserer Namibia-Tour. Wir sind der Meinung, dass man hier nur versucht, aus der landschaftlichen Lage möglichst viel Profit zu schlagen. Der Service und das Essen sind unzumutbar, und die Zimmer sind auch nicht besonders schön. Insgesamt gibt es einfach zu viele Kritikpunkte, um diese Gästefarm weiter zu empfehlen. Ein Tagesbesuch lohnt sich sicher, aber von einer Übernachtung können wir hier nur abraten.


13. Tag: Spitzkoppe / Swakopmund


Nach dem Frühstück am nächsten Morgen verlassen wir zusammen mit dem Ehepaar im Konvoi die Farm, nachdem wir das Angebot der Farmerin abgelehnt haben, uns zur Bull's Party zu bringen. Erstens wollen wir auf der schwierigen Piste zurück zur B2 nicht unbedingt auf uns alleine gestellt sein, und außerdem haben wir keine Lust die Steinformationen unter Zeitdruck zu besuchen. Von unserem nächsten Ziel, der Spitzkoppe, rät uns die Farmerin übrigens wegen der schlechten Straßenverhältnisse ab. Wir beschließen, auf ihre Aussage nicht so viel zu geben. Um es vorweg zu nehmen: der Abstecher zur Spitzkoppe stellte für unseren Wagen kaum ein Problem dar. Außerdem gehört die Spitzkoppe zu den absoluten landschaftlichen Höhepunkten unserer Tour. Unserer Meinung nach ist sie noch weitaus eindrucksvoller als das Erongo-Gebirge.

Wir haben Glück und bleiben bei den Flussdurchquerungen auf dem Rückweg nur ein einziges Mal hängen. Mit der Hilfe der Deutschen kommen wir jedoch rasch wieder frei. Unsere Reifen drehen zwar mindestens zehnmal durch, um nur einen einzigen Meter zurückzulegen, aber allmählich gräbt sich der Wagen vorwärts, bis die Reifen an der gegenüberliegenden Uferböschung festeren Grund erreichen und wieder richtig greifen. Das Problem bei dieser Fahrweise ist, dass man nicht zu langsam werden darf, sonst kommt man überhaupt nicht vorwärts und gräbt sich tiefer in den Sand ein. Fährt man jedoch zu schnell und verpasst dadurch die richtige Spur, setzt man den Wagen ebenso leicht fest. Man muss eben die Nerven behalten und das richtige Tempo herausfinden. Mit der Zeit fängt das sogar an Spaß zu machen.

Trotzdem zucke ich jedesmal zusammen, wenn große Steine gegen den Unterboden schlagen, oder der Wagen den Sand wie ein Schneeschieber durchpflügt. Aber wir erreichen ohne größere Schwierigkeiten wieder B2 nach Swakopmund. Wir überprüfen den Unterboden des Kombis und verabschieden uns dann von den Deutschen, nachdem wir keine bedeutenden Schäden (außer ein paar Schleifspuren an der Ölwanne) feststellen können.

Den Genuss, anschließend wieder auf einer gut ausgebauten Teerstraße zu fahren, kann man an dieser Stelle kaum beschreiben. Jetzt, wo wir das bisher schlimmste Wegstück hinter uns haben, können wir uns wieder richtig entspannen. Schon kurze Zeit später erreichen wir die Abzweigung zur Spitzkoppe, deren markante Form schon von der B2 aus in der Ferne gut zu erkennen ist. Zwar müssen wir wieder auf einer staubigen Schotterpiste fahren, aber diese ist vergleichsweise harmlos. Bis auf die Fahrt durch zwei trockene Flussbetten, die wir mit entsprechendem Schwung ganz gut überwinden, ist die Piste in einwandfreiem Zustand.

Am Straßenrand werden hier und da von den einheimischen Damara Halbedelsteine zum Verkauf angeboten. Wir überlegen erst noch, ob wir das eine oder andere schöne Stück erwerben sollen, verzichten jedoch darauf. Ein gute Entscheidung, wie sich kurz danach heraus stellt, denn auf dem weiteren Weg zur Spitzkoppe finden wir am Pistenrand herumliegende Kristalle und Halbedelsteine, so dass ich bald Schwierigkeiten bekomme, Simone von ihrem Sammeltrieb abzuhalten. So einsam, trocken und kahl die Gegend auch erscheinen mag, für Mineraliensammler ist sie recht interessant.

Das Granitsteinmassiv der Spitzkoppe ragt vor uns aus der flachen, trockenen Buschsavanne wie eine Vulkaninsel auf. Aufgrund der Ähnlichkeit wird der 1.728m hohe Berg auch das Matterhorn Namibias genannt. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen die etwas niedrigeren Pondok Mountains mit ihren abgerundeten Gipfeln.



Vor dem Zugang zu den Inselbergen befindet sich eine kleine Damara-Ansiedlung und ein einfaches Camp, das von den Einheimischen verwaltet wird. Dort zahle ich die moderate Eintrittsgebühr, während Simone unsere letzten Bonbons an einige kleine Damara-Kinder verteilt. Wasser ist in dieser Gegend übrigens so wertvoll, dass man es im Camp per Liter abrechnet. Wer hier übernachten will, sollte also ausreichend Wasser mit sich führen.

Wir fahren über eine schmale sandige Piste zuerst zu den Pondok Mountains, die aus der Nähe noch viel beeindruckender wirken. Vor kurzem muss es noch geregnet haben, da wir sogar einige kleine Wasserläufe durchfahren müssen. Aber die sandigen Abschnitte sind zum Glück recht kurz, und mit etwas Übung stellen sie auch für unseren Kombi keine große Schwierigkeit dar. Simone hält aber trotzdem jedes Mal den Atem an, bis wir wieder festeren Untergrund unter den Reifen verspüren.

Erst vor den letzten paar hundert Metern vor dem Parkplatz zum Bushman's Paradise müssen wir passen. Ab hier kommen wohl nur noch Geländefahrzeuge weiter. Also stellen wir den Wagen ab, schnappen uns unsere Getränkeflaschen und Rucksäcke und gehen das letzte Stück zu Fuß. Die Hitze jetzt am späten Vormittag ist enorm. Wir schätzen die Temperatur auf ca. 38° - 40°C. Aber die Landschaft ringsum ist allemal ein paar Schweißtropfen wert! Bei Bushman's Paradise handelt es sich um einen Felsüberhang oben in den Bergen, unter dem eine ganze Reihe alter Felszeichnungen der San zu finden sind. Der Weg hinauf führt direkt über die glatte Granitfelswand. Für Wanderer hat man eine Kette angebracht, die bei den steilsten Abschnitten eine gute Unterstützung bietet. Spontan erinnert uns der Weg an die Besteigung des Britannia-Rock bei Paarl in der Nähe von Kapstadt. Nur ist hier alles noch viel gigantischer und erheblich einsamer. Immerhin kommen uns aber beim Aufstieg sogar zwei andere Touristen entgegen.

Oben angekommen genießen wir erstmal den Ausblick auf die endlos erscheinende Ebene. Die Felsformationen ringsum sind ebenfalls sehr sehenswert. Wie riesige Murmeln liegen runde Felsbrocken herum, teilweise so abenteuerlich am Abhang, dass ein kleiner Stoß auszureichen scheint, sie in Bewegung zu setzen. Vor uns liegt ein Talkessel mit erstaunlich dichter Vegetation. Ein kaum erkennbarer Pfad führt zu dem Felsüberhang mit den Malereien, die allerdings nicht ganz so eindrucksvoll sind wie die Zeichnungen in der Phillipps-Höhle. Die Zeichnungen von Nashörnern und anderen Tieren zeigen jedoch, dass in dieser Gegend das Wild früher noch sehr zahlreich gewesen sein muss. Wieder befällt uns dieses Gefühl, in die Vergangenheit versetzt worden zu sein.

Nach einer wohltuenden Pause im Schatten steigen wir die Felswand wieder herab. Hinunter ist das erheblich schwieriger als hinauf. Die Kette erweist sich jedenfalls als sehr hilfreich. Bis wir dann wieder beim Auto ankommen, sind unsere Getränkeflaschen längst leer. Zum Glück ist die Kühlbox im Kofferraum noch gut bestückt.



Das beeindruckende Panorama des Spitzkoppe-Massivs fesselt uns derart, dass wir auch noch einige andere interessante Stellen ansteuern. Mit am besten gefallen uns ein großer Felsbogen mit einer faszinierenden Aussicht auf die Spitzkoppe und eine Kluft mit fremdartig aussehenden Pflanzen. Das Granitgestein erinnert stark an geschmolzenes Wachs, das plötzlich abgekühlt ist und dabei die seltsamsten Formen gebildet hat. Aufgrund des vulkanischen Ursprungs der Spitzkoppe ist dieser Vergleich sehr zutreffend.

So unwirklich schön das kleine Gebirge auch ist, so lebensfeindlich sind der Mangel an Wasser und die enorme Hitze. Nachdem wir genug Sonne „getankt“ haben, beschließen wir weiter zu fahren. Dabei könnte ich es hier durchaus noch länger aushalten. Ausgerüstet mit Geländewagen und Zelt ist die Spitzkoppe jedenfalls ein Paradies für Outdoor-Freaks.

Auf der Schotterpiste zurück zur B2 begegnen wir einem Schwarzen, der hilfesuchend mit seinem alten Bakkie am Straßenrand steht und wohl eine Panne hat. Wie sich heraus stellt, hat er kein Benzin mehr. Wir zapfen mit einem Schlauch einige Liter Benzin aus unserem Tank ab und schenken sie dem Mann, der sich außerordentlich über diese Hilfeleistung freut. In Namibia ist gegenseitige Hilfe sehr wichtig, da es sehr lange dauern kann, bis mal ein anderes Fahrzeug vorbei kommt. Und bei 40°C in der prallen Mittagshitze ist das Warten nicht nur eine Tortur, sondern kann auch rasch gefährlich werden.

Der Inhalt unseres Tanks reicht jedenfalls noch problemlos bis Swakopmund, das wir dann nach eineinhalb Stunden Fahrt auf der B2 durch die menschenleere Namibwüste erreichen. Dieser Teil der Wüste besteht fast ausschließlich aus einer sandigen Kies-Ebene, auf der nur die widerstandsfähigsten Pflanzen, wie z.B. die uralte Welwitschia Mirabilis, überleben können. Die einzige Feuchtigkeitsquelle ist der häufig auftretende Nebel, der sich in der Nähe der Küste bildet. Auch in Swakopmund am Atlantik ist es neblig, wie wir bei unserer Ankunft feststellen können. Überrascht sind wir aber vom rapiden Temperatursturz, der uns in der Stadt empfängt. Noch 30 km vor der Stadt herrschten ca. 35°C in der Namibwüste, aber in Swakopmund sind davon höchstens noch 19°C übrig!

Uns fallen zwei Dinge sofort ins Auge: erstens wirkt Swakopmund durch seine zahlreichen Kolonialgebäude wie ein deutsches Städtchen, das man in die Namibwüste versetzt hat (inkl. dem kalten deutschen Wetter), und zweitens sind noch überall die Spuren der schweren Überschwemmungen vor wenigen Wochen zu sehen. Ja, richtig gelesen, vor wenigen Wochen hat es in Swakopmund seit vielen Jahren das erste Mal wieder in Strömen geregnet und die Regenfluten waren (wie fast überall in Namibia) so stark, dass sogar der ansonsten jahrzehntelang trockene Fluss Swakop die Stadt überflutet hat!

Unsere gebuchte Unterkunft, das Alte Brücke Resort, liegt unmittelbar neben der Mündung des mittlerweile wieder ausgetrockneten Swakob-Flusses. Nach dem Einchecken im Resort, wo wir einen großen, komplett ausgestatteten Selbstversorger-Bungalow gemietet haben, machen wir uns kurz frisch und schauen uns anschließend die Innenstadt an. Die meisten Straßen- und Reklameschilder in Swakopmund sind in deutscher Sprache beschriftet. Viele Einwohner sprechen deutsch noch als Muttersprache, und die ganze Atmosphäre des Städtchens wirkt sehr vertraut. Lediglich die gepflanzten Palmen an der Strandpromenade passen nicht so recht in das Bild. Ansonsten könnten wir uns auch in einem deutschen Ostseebad befinden. Dabei liegt Swakopmund an einem der lebensfeindlichsten Küstenabschnitte der Welt, der Skeleton Coast, und hinter der Stadt liegt nur die Mondlandschaft der Wüste Namib, soweit das Auge reicht.



Um einen Eindruck von der Küste und der Sandwüste zu bekommen, fahren wir am späten Nachmittag auf der gut ausgebaute Küstenstraße bis nach Walvis Bay, einem ungefähr 30 km südlich von Swakopmund gelegenen Industriehafen. Endlich kommt auch wieder die Sonne zum Vorschein. Während rechts von der Straße die Wellen des tiefblauen Atlantiks das Ufer berühren, liegen unmittelbar links der Straße schon die hohen Sanddünen der Wüste. Nicht mal die kleinste Pflanze ist zu sehen! Verständlich, warum die zahlreichen Schiffbrüchigen, die in der Vergangenheit an dieser Küste gestrandet sind, keine Überlebenschance hatten. Heutzutage existieren zumindest zwischen Swakopmund und Walvis Bay einige einsam gelegene Touristenresorts. Auf den Sanddünen werden Extremsportaktivitäten wie Quadbike-Fahren, Sandboarding und Paragliding angeboten.

Wieder zurück in Swakopmund schauen wir uns den Sonnenuntergang am Atlantik vom alten eisernen Bootssteg aus an. Anschließend gehen wir ins Restaurant De Kelder zum Abendessen und bestellen uns zur Feier des Tages eine Fischplatte für 2 Personen. Ein absoluter Genuss! Aber selbst der Hungrigste kann unserer Meinung nach nicht die ganze Platte verdrücken. Zunächst wird uns eine große Vorspeisenplatte serviert mit Leckereien wie Krabbencocktail, Räucherfisch, Garnelen, Austern, Salaten und vielen Dippsaucen. Dann bekommen wir die Platte mit den Hauptgerichten auf den Tisch gestellt, mit einer noch größeren Auswahl an frischen Meerestieren. Es gibt Langusten, Garnelen, Muscheln, Tintenfisch, Fischfilets (gebacken und gegrillt), dazu verschiedene leckere Saucen, Reis, und und und...

Wir schwelgen heute noch, wenn wir an dieses fürstliche Mahl zurück denken. Und das alles zu einem wirklich moderaten Preis (ca. 40 DM pro Person). Dieses Restaurant können wir wirklich weiterempfehlen!


14. Tag: Swakopmund / Walvis Bay


Nach einer kalten Nacht (das ist das erste Mal, dass ich auf der Namibia-Tour nachts gefroren habe) und einem leckeren Frühstück im Alte Brücke Resort, machen wir einen ausführlichen Stadtbummel und schauen uns nach und nach die ganzen Sehenswürdigkeiten von Swakopmund an. In der Swakopmunder Buchhandlung in der Kaiser-Wilhelm-Straße decken wir uns mit Lesestoff ein (Buchtip: „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“ von Henno Martin, hochinteressanter Erlebnisbericht von 2 jungen deutschen Geologen, die sich während des 2. Weltkriegs zweieinhalb Jahre in der Namibwüste versteckt hielten).

Von Swakopmund aus werden übrigens von mehreren Veranstaltern Rundflüge in die Namib angeboten. Als wir die Fotos und Beschreibungen im Schaufenster des Büros von „Pleasure Flights“ sehen, packt es uns und wir entscheiden uns für den Flug mit einer Cessna zu den wohl höchsten Wanderdünen der Welt am Sossusvlei, inmitten der Namibwüste. Sicher kein billiges Vergnügen, aber wenn man schon mal hier ist... Außerdem reizt mich sehr die Möglichkeit, mit meiner Digitalkamera aus dem Flieger zu filmen. Da es aber erst am Nachmittag los geht, wollen wir zunächst noch Informationen über die Straßenverhältnisse auf unserer weiteren Tour einholen. Über die Strecke durch den Kuiseb-Canyon haben wir von anderen Reisenden in den letzten Tagen schon viele Horrorgeschichten gehört. Von „ist mit PKW passierbar“ bis „selbst mit einem Geländewagen unmöglich“ haben wir alles gehört, aber kaum jemand scheint es genau zu wissen.

Daher suchen wir die Touristeninfo von Swakopmund auf und hoffen dort zuverlässige Auskunft zu bekommen. Man ist dort geradezu entsetzt, dass wir diesen Weg mit einem normalen PKW versuchen wollen, da der Fluss Kuiseb während der Regenfluten die alte Piste völlig weggerissen habe. Man sei zwar schon mit der Ausbesserung beschäftigt, aber es könne noch Wochen dauern, bis die Strecke wieder allgemein passierbar ist. Man rät uns also, auf der Teerstraße zurück nach Windhoek zu fahren und es von dort aus über die Schotterpiste C24 und über den Remhoogte-Pass zu versuchen, wenn überhaupt. Das würde einen Umweg von etlichen hundert Kilometern bedeuten!

Entmutigt verlassen wir die Info. Auf den Namib-Naukluft-Nationalpark und auf Sossusvlei haben wir uns bisher am meisten gefreut. Wir wollen einfach nicht akzeptieren, dass wir auf den wesentlich kürzeren Weg durch den Kuiseb-Canyon verzichten sollen. Also ruft Simone Walter an, unseren Gastgeber auf der Farm Weltevrede im Naukluft-Gebirge. Walter versichert uns mehrmals, dass wir die Strecke über den Canyon nehmen können. Er selbst sei sie aber in den letzten Wochen nicht mehr gefahren. Wem sollen wir nun glauben? Der offiziellen Touristenauskunft oder einem Farmer am Rande der Wüste? Einfach hinfahren und es ausprobieren können wir auch nicht, da der Canyon ca. 3 Autostunden von Swakopmund entfernt liegt. Wenn wir umkehren müssen, wird die Zeit nicht ausreichen, den alternativen Umweg über das Khomas-Hochland zu nehmen. Wir wanken hin und her. Fest steht, dass wir auf den Besuch des Namib-Naukluft-Nationalparks auf keinen Fall verzichten wollen. Also beschließen wir, eine weitere Auskunft einzuholen, und zwar so nahe wie möglich an der besagten Strecke, nämlich in Walvis Bay. Notfalls stellen wir uns dort ans Ende der Piste aus der Namib und warten, bis ein Fahrzeug durchkommt, dessen Fahrer wir dann befragen können.

In Walvis Bay angekommen, besuchen wir aber zunächst die dortige Touristeninfo. Und wir haben Glück! Ein namibischer Tourguide bekommt zufällig unsere Frage mit und versichert uns seinerseits, dass der Kuiseb-Canyon seit einem Tag für PKW wieder passierbar sei. Er selbst habe es mit einem Minibus ausprobiert. Ziemlich beruhigt kehren wir nach Swakopmund zurück und setzen uns dort bei Kaffee und Kuchen ins Café Anton in der Bismarck-Straße. Bevor wir zum Büro von „Pleasure Flights“ fahren, schlendern wir zum Abschluss noch über den Straßenmarkt am Platz „Palmenstrand“, wo schwarze Namibier Schnitzkunst und Souvenirs verkaufen.



Von einem der Piloten von „Pleasure Flights“ werden wir in einem Höllentempo mit einem Minibus zum Flugplatz gebracht. Wenn die Piloten dieses Veranstalters genauso fliegen wie sie Auto fahren, kann es ja heiter werden! Außer uns nehmen noch zwei schwedische Touristen an dem Flug teil. Ein anderer (deutscher) Pilot begrüßt uns und wir steigen in die enge, sechssitzige Cessna. Minuten später heben wir ab und fliegen in südöstliche Richtung über die Mondlandschaft der nördlichen Namibwüste. Aus der Luft sieht man erst, dass die Wüste von zahlreichen, schnurgeraden Reifenspuren durchzogen ist. Der Pilot erklärt uns, dass diese Spuren noch nach Jahrzehnten sichtbar bleiben, da in der nördlichen Kiesnamib kaum Sand vorhanden ist, der die Spuren zudecken könnte. Wir überfliegen einen alten Militärflugplatz und bald darauf die Forschungsstation Gobabeb, die inmitten der Wüste am trockenen Flussbett des Kuisebs liegt. Wir folgen nun dem Lauf des Trockenflusses ostwärts, der sich mit seinem Vegetationsgürtel wie eine Oase durch die steinige Wüste zieht. Man sieht deutlich, dass im Kuiseb bis vor kurzem noch große Wassermassen geflossen sind. Die vielen grünen Pflanzen am mittlerweile versickerten Fluss ziehen auch zahlreiche Tiere an, die in der Namib leben. Aus der Cessna können wir Springböcke und Oryx-Antilopen erkennen.



Dann erreichen wir das Dünenmeer der Namib, das mit seinem orangeroten Sand sofort ins Auge sticht. Die gewaltigen Wanderdünen werden vom Kuiseb wie mit einem Messer durchschnitten. Südlich des Flusses beginnen unmittelbar die Dünen, nördlich davon liegt die Ebene der Kies-Namib. Da der Fluss alle paar Jahre, wenn in seinem Oberlauf die Regenperiode einsetzt, den gesamten Wüstensand, der ins Flussbett geweht wurde, mit sich in Richtung Atlantik reißt, kann das Dünenmeer sich nicht weiter nach Norden ausdehnen.

Wir verlassen den Fluss, nachdem wir das südliche Ende des stark zerklüfteten Canyons erreicht haben, den der Kuiseb in die Ebene gegraben hat. Die Cessna gewinnt etwas an Höhe und fliegt am Rande des Dünenmeers entlang, im Osten flankiert vom kargen Naukluft-Gebirge. Uns wird jetzt so richtig bewusst, dass wir einen Teil der Erde sehen, der praktisch nur aus der Luft zu besuchen ist. Keine Strasse führt hierher, es gibt keine Ansiedlung, nichts. Nur Sand, soweit das Auge reicht und die einzigartige Fauna und Flora, die sich an die extremen Bedingungen dieser ältesten Wüste der Welt angepasst hat.

Es ist schon beeindruckend auf ein so großes, naturbelassenes Gebiet zu blicken, in das der Mensch noch niemals seinen Fuß gesetzt hat. Ebenso beeindruckend ist übrigens die Hitze der Nachmittagssonne über der Wüste. In der nicht klimatisierten Kabine der kleinen Cessna wird es bald ungeheuer heiß und ich komme mir nach kurzer Zeit sehr eingeengt vor. Dass ich schön fleißig mit der Videokamera gefilmt habe, kommt mir jetzt teuer zu stehen, denn mir wird richtig übel. So ein Panorama zu erleben und dann Luftkrank werden! Aber es hilft nichts, ich muss die K...tüte benutzen, was natürlich für alle Insassen der Maschine sehr unangenehm ist. Simone ist nun auch steifschlecht, aber sie kann sich noch zurück halten.

Als wir Sesriem überfliegen, den Zugang zum Sossusvlei, geht es mir aber wieder rasch besser und ich erhole mich innerhalb von Minuten. Das beklemmende Gefühl bleibt zwar, aber mein Magen rebelliert nicht mehr. Der trockene Flusslauf des Tsauchab dient dem Piloten als Wegweiser. Minuten später fliegen wir tief an Düne 45 vorbei, eine der schönsten Sanddünen am Rande des Tsauchab, die man auch mit dem Auto erreichen kann. Dann umkreist die Cessna im großen Bogen das Sossusvlei, in dem sich seit mehreren Jahren das erste Mal wieder Wasser befindet. Um den See herum liegen einige der gewaltigsten Sanddünen der Namib (über 300m hoch). Man sieht auch noch einige weitere ausgetrocknete Pfannen, die einen starken Kontrast zum rötlichen Sand rundherum bilden.

Die Aussicht ist absolut spektakulär und einfach unbeschreiblich. Viel zu rasch gleiten wir schon wieder über das Dünenmeer in Richtung Atlantik, den wir nach etwa 10 Flugminuten schon erreichen. Die Sanddünen enden einfach übergangslos am Meer. In niedriger Höhe überfliegen wir eine alte, verlassene Diamantengräber-Siedlung. Wie sehr mag der Rausch diese Leute damals gepackt haben, dass sie sich in dieses menschenfeindliche Gebiet gewagt haben?

Dem Verlauf der Skelettküste folgt der Pilot nun im absoluten Tiefflug (nur 5 – 10 m über dem Wasser) nach Norden. Unter uns rauschen die Wellen und die Sanddünen am Ufer im Wahnsinnstempo davon. Zweimal überfliegen wir große Schiffswracks, die schon zur Hälfte im Sand eingegraben sind. Dann folgen zahlreiche große Pelzrobben-Kolonien mit Tausenden von Tieren, die hier völlig ungestört leben können (abgesehen von der Lärmbelästigung durch unser Flugzeug).

Dicht vor der Sandwich Bay, einem der bedeutendsten Feuchtgebiete der Welt und Tummelplatz von tausenden Flamingos, kommen wir in eine Nebelbank hinein, so dass der Pilot die Cessna sehr stark hochziehen muss. Leider bleibt uns dadurch die Sicht auf die Flamingos verwehrt. Bald taucht unter uns der Hafen von Walvis Bay auf und der Landeanflug auf Swakopmund beginnt. Der Nebel scheint heute Abend ungewöhnlich dicht zu sein, denn der Pilot ist sichtlich nervös. Zweimal verpasst er den korrekten Anflug auf den Flugplatz und muss sich an der schnurgeraden Straße nach Swakopmund orientieren. Obwohl wir großes Vertrauen in den Piloten haben, ist uns schon etwas mulmig. Aber beim dritten Versuch klappt die Landung problemlos und alle Teilnehmer sind erleichtert, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Der Flug war schon ein großes Erlebnis, und ich werde noch einige Zeit brauchen, um all die Eindrücke zu verarbeiten. Simone geht es immer noch nicht so gut in der Magengegend, und sie gesteht, dass der Flug für sie wegen der Übelkeit die reine Hölle war. Auf den Besuch eines Restaurants verzichten wir daher an diesem Abend und gehen schon früh schlafen. Morgen haben wir ja auch eine lange und anstrengende Autofahrt quer durch die Namibwüste vor uns.


15. Tag: Namib-Naukluft-Park


Nach dem Frühstück stocken wir in Swakopmund nochmal unseren Getränkevorrat auf, dann beginnen wir unsere Fahrt in Richtung Namib-Naukluft-Park, den mit über 5 Millionen Hektar drittgrößten Nationalpark Afrikas und eines der unzugänglichsten Gebiete der Welt. Auf der Küstenstraße nach Walvis Bay herrscht mal wieder dichter Nebel und es ist am Morgen noch entsprechend kühl. Am Straßenrand steht ein VW-Bus, der offensichtlich eine Panne hat. Wir halten und fragen nach, ob wir helfen können. Der Fahrer des VW-Busses, ein französischer Tourist, ist sehr erleichtert und bittet uns ihn nach Walvis Bay mitzunehmen, damit er dort ein Ersatzteil kaufen kann. Während seine Mitfahrer beim Bus bleiben, fahren wir ihn in die kleine Hafenstadt und setzen ihn dort bei der Information ab, damit er sich nach einer geeigneten Werkstatt erkundigen kann. Unser Angebot auf ihn zu warten lehnt er dankend ab. Er will uns nicht weiter aufhalten und er werde schon jemanden finden, der ihn zum Bus zurück bringt.

Also wünschen wir ihm viel Glück und fahren auf der C14 nach Osten in die Wüste. Die Teerstraße endet nach ca. 10 km und geht dann in eine staubige Schotterpiste über. Der Bodenbelag ist zwar rutschig, was unsere Höchstgeschwindigkeit auf etwa 80 km/h begrenzt, aber ansonsten in gutem Zustand. Nach einigen Minuten lichtet sich auch der Küstennebel und die brennende Sonne zeigt uns ihre Kraft. Schon eine halbe Stunde später steigt die Temperatur auf über 30°C. Wir befinden uns nun in der flachen Kies-Ebene der nördlichen Namib. Um uns herum ist von Horizont bis Horizont nichts zu sehen außer einer endlosen Ebene. Nirgends eine Spur von Vegetation, nicht mal das geringste Geräusch ist zu hören. In diesem Teil der Wüste herrscht praktisch kein Leben. Simone bekommt in dieser Einsamkeit schon ein beklemmendes Gefühl. Ich fühle mich dagegen unglaublich frei und genieße die Ruhe. In Sichtweite des Vogelfederbergs, eines kleinen Inselbergs aus Granit, der plötzlich aus der Ebene heraus ragt, halten wir und vertreten uns etwas die Füße. Es ist sehr heiß aber aufgrund der extrem trockenen Luft empfinden wir dies nicht als unangenehm.

Bisher kam uns noch kein Fahrzeug entgegen. Man kann kaum die Gefühle und Gedanken beschreiben, die einem an diesem einsamen und absolut lebensfeindlichen Ort kommen. Plötzlich merkt man, wie abhängig man als Mensch von so gebräuchlichen technischen Hilfsmitteln wie unserem Fahrzeug ist. Hätte man uns hier ohne Wasser ausgesetzt, würden wir ohne Hilfe kaum einen Tag lang überleben. Entsprechend beruhigend ist zu wissen, dass wir neben zwei Ersatzreifen eine großen Wasserkanister mitführen.



Eine Stunde später tauchen in der Ferne erste Gebirgszüge auf. Und zum ersten Mal auf diesem Weg kommt uns endlich ein PKW entgegen. Dies ist der sichere Beweis, dass der Kuiseb Canyon wieder ohne Geländewagen durchfahrbar ist! Etwas später kommen wir an der Abzweigung zum Aussichtspunkt Carp Cliff vorbei, dann führt die Piste langsam bergab in ein Seitental des zerklüfteten Canyons, der die Ebene vor uns durchschneidet. Die Szenerie ist grandios. Simone hat gleich bei Erreichen des Canyons ihr beklemmendes Gefühl verloren. Wahrscheinlich liegt das einfach am Wechsel in der Landschaft: die Augen haben nun wieder einen festen Bezugspunkt.

Der Canyon ist zwar nicht sehr tief, aber von solch einem wurzelartigen Gewirr von Seitencanyons durchzogen, dass er uns doch sehr beeindruckt. Auf der Piste vor uns sind einige Straßenarbeiter noch mit der Ausbesserung beschäftigt. An vielen Stellen kann man noch die Folgen der gewaltigen Überschwemmung des Kuiseb erkennen. Die Namibier haben jedenfalls innerhalb kurzer Zeit ganze Arbeit geleistet! Die Piste durch das Flussbett wurde komplett neu aufgeschüttet und geglättet, so dass wir nicht die geringsten Schwierigkeiten bei der Durchquerung haben. Im Hauptcanyon führt der Fluss noch Wasser, aber es ist nur noch ein kümmerlicher Rest übrig geblieben, verglichen mit den Fluten, die vor wenigen Wochen fast den ganzen Canyon bis zum Rand ausgefüllt haben.

Wir bedanken uns bei den Straßenarbeitern und gratulieren ihnen zu ihrer guten Arbeit. Ihre strahlenden Gesichter drücken die gleiche Stimmung aus, die wir nun haben, da unsere Angststrecke jetzt überwunden ist. Nachdem wir die Schlucht des Kuiseb auf einer steilen Serpentinenstrecke verlassen haben, können wir vor uns den tafelbergartigen Gamsberg und die Randstufe des Khomas-Hochlandes erkennen. Die Piste macht nun einen großen Bogen nach Süden und nachdem wir den ebenfalls sehr schönen Gaub-Canyon durchfahren haben, kommen wir in ein Gebiet mit sanftem Grasland am Rande des Namib-Naukluft-Parks. Der Regen hat die ganze Landschaft wie im Frühling erblühen lassen. Bunte Wildblumen sind vielerorts zu sehen und die gesamte Umgebung ist in zarte Pastellfarben getaucht. Hier am Rande der Namibwüste erscheinen die Farben noch viel prächtiger und intensiver zu sein wie anderenorts, ja selbst das Gras erscheint uns unwirklich grün.

Unsere nächste Station heißt Solitaire. Dort müssen wir auch unseren Benzintank wieder auffüllen. Obwohl Solitaire in der Strassenkarte als einzige Ortschaft in der Umgebung eingezeichnet ist, handelt es sich dabei nur um einige wenige Farmgebäude, die sich um eine Tankstelle gruppieren. Trotzdem erscheint uns Solitaire nach der einsamen Strecke wie eine Oase. Während unser Kombi an der Tankstelle per handbetriebener Pumpe aufgetankt wird, nehmen wir im kleinen Café nebenan kühle Getränke und einen Sandwich mit selbst gebackenen Brot zu uns. Sogar an diesem abgelegenen Ort wird deutsch gesprochen.

Da fast jeder Reisende in der Namib früher oder später auch durch Solitaire kommt, herrscht bald sogar richtiger Betrieb, als nach und nach auch andere Fahrzeuge hier halten. Abgesehen davon, dass es sich um die einzige Tankstelle im weiten Umkreis handelt, ist Solitaire auf jeden Fall eine Pause wert, und sei es nur für ein eisgekühltes Bier.



Nach ungefähr einer weiteren Stunde Fahrt, vorbei an den Zufahrten zu einigen Gästefarmen, erreichen wir die Farm Weltevrede am Rande des Naukluft-Gebirges. Dort lernen wir endlich Walter persönlich kennen, mit dem Simone ja schon mehrfach telefoniert hat. Er erinnert sich dementsprechend auch gleich an uns und zeigt uns die Farm und unsere Zimmer, die in kleinen Bungalows untergebracht sind. Die Zimmer sind sehr geschmackvoll und richtig gemütlich eingerichtet. Aber natürlich darf man auf einer so fernab gelegenen Farm keinen besonderen Komfort erwarten, d.h. es gibt keine Klimaanlage und Strom (erzeugt mit einem Windrad) auch nur abends von 19 bis 21 Uhr. Ansonsten fehlt es aber an nichts. Selbst ein einfacher Swimmingpool und eine sehr rustikale Open-Air-Bar sind vorhanden. Trotz der Hitze hüpfen wir aber nicht in den Pool, da dort Unmengen von Mücken herumtanzen. Ebenso wie die wieder sehr zahlreich auftretenden Crickets eine Folge der heftigen Regenzeit. Nach einer erfrischenden Dusche setzen wir uns daher einfach auf die Veranda und verbringen einen ruhigen Nachmittag. Für jede andere Aktivität ist es einfach zu heiß. In der Abenddämmerung machen wir noch einen kleinen Spaziergang und bewundern anschließend vom Zimmer aus einen unvergesslichen Sonnenuntergang.

Vor dem Abendessen versammeln wir uns mit einer Handvoll anderer Gäste an der Bar, trinken ein paar Bier und haben viel Spaß mit Walter, der einige Episoden aus seiner Jugend auf der Farm erzählt. Walter ist wirklich ein sehr netter Bursche, und wir fühlen uns bald wie im Kreise einer großen Familie. Die spontane Gastfreundschaft und Offenheit der Menschen im südlichen Afrika fasziniert uns immer wieder.

Das Essen wird uns in einem separaten Häuschen an einer gemeinsamen Tafel zusammen mit den übrigen Gästen serviert. Wir sind überrascht, was man uns für Leckereien auf den Tisch zaubert, inklusive Vor- und Nachspeise. Wenn man das mit den Mahlzeiten auf der Ameib-Ranch vergleicht...

Dabei sind wir hier der Zivilisation wesentlich ferner, und in der kargen Umgebung am Namibrand kann man außer Viehzucht kaum Landwirtschaft betreiben. Pünktlich um 21 Uhr, als die Elektrizität abgeschaltet wird, zünden wir im Zimmer Kerzen an und legen uns schon kurze Zeit später schlafen, denn wir wollen morgen früh schon zum Sonnenaufgang das Dünenmeer beim Sossusvlei besuchen.


16. Tag: Namib-Wüste / Sossusvlei


Der Wecker klingelt schon um 4.30 Uhr am Morgen und reißt uns aus dem tiefen Schlaf, den wir erst sehr spät gefunden haben, da es in der Nacht nur wenig abgekühlt hat. Statt eines Frühstücks hat man uns auf Wunsch ein Lunchpaket eingepackt. Zusammen mit einem amerikanischen Touristenpärchen fahren wir mit zwei PKWs in der Dunkelheit nach Sesriem, dem Zugang zum Dünenmeer der Namib. Erst sieht man die Hand vor Augen nicht, da außer dem Sternenhimmel kein Lichtquelle im Umkreis existiert, aber schon eine Viertelstunde später erhellt das sanfte Licht der Morgendämmerung das Naukluft-Gebirge im Osten. Nach ca. 45 minütiger Fahrt über Staub- und Schotterpisten erreichen wir das Eingangstor zum Namib-Naukluft-Park bei Sesriem. In Sesriem gibt es einen Campingplatz und in der Nähe liegt auch die luxuriöse Anlage der Möwenpick-Lodge, von der aus auch Heißluftballonflüge über die Namibwüste angeboten werden.

Es gibt übrigens zwei wichtige Gründe, warum man das Dünenmeer bei Sossusvlei schon kurz nach Sonnenaufgang besuchen sollte und nicht später. Erstens ist das Licht morgens am schönsten, und man sieht noch die characteristischen langen Schatten, die die Dünenkämme werfen (optimal also zum Fotografieren und Filmen). Zweitens wird es schon am früher Vormittag rasch so unerträglich heiß, dass man kaum mehr dazu in der Lage ist, die eine oder andere hohe Sanddüne zu besteigen.

Bevor wir zu diesem einmaligen Vergnügen kommen, müssen wir allerdings zunächst eine gute Stunde durch das trockene Flussbett des Tsauchab fahren, um zu unserem Ziel zu gelangen. Zwar ist man momentan dabei eine Teerstraße vom Eingang bis etwa 5 km vor Sossusvlei zu bauen, aber bisher sind erst die ersten 30 km davon fertig gestellt. Die restliche Strecke führt einfach durch den Sand des Flussbetts. Eine geglättete Piste ist wegen der Baustelle zur Zeit unseres Besuchs jedenfalls nicht vorhanden. Wir können also nur den tiefen Reifenspuren der Geländewagen im Sand folgen, die natürlich kreuz und quer verlaufen und teilweise über so weichen Untergrund führen, dass wir mit unserem Kombi erhebliche Schwierigkeiten bekommen. Alle bisherigen Strecken waren dagegen mehr oder weniger ein Klacks, selbst die Strecke zur Ameib-Ranch. Ich weiß bis heute auch nicht, wie ich es geschafft habe, den Wagen mit einem Irrsinnstempo (um nicht stecken zu bleiben), mit ständigem Richtungswechseln über die Sandstrecke zu bewegen. Neben der gewonnenen Erfahrung beim Fahren durch weichen Sand muss auf jeden Fall eine unverschämte Portion Glück dazu gehört haben. Jedenfalls haben Simone und ich vor Aufregung bald einen enormen Adrenalinpegel erreicht, der uns den ganzen restlichen Tag noch in Hochstimmung versetzt.



Vielleicht ist aber auch nur das sagenhafte Licht und die unwirkliche Schönheit der Landschaft an diesem Morgen die Ursache dafür. Wir sehen hin und wieder Strauße und Springböcke, die ebenso wie Oryx-Antilopen in diesem absolut kargen Gebiet in der Namib überleben können. An Düne 45 (so genannt, weil sie 45 km vom Eingangstor entfernt liegt) machen wir zum ersten Mal halt. Dort steht schon ein Safari-LKW mit einer jungen Reisegruppe, die am Fuße der leuchtend roten Düne ein Feldfrühstück zu sich nimmt. Die Düne 45 ist sehr leicht zu erreichen und gehört sicher zu den am meisten fotografierten Dünen der Namib. Der Schatten, den die davor stehenden Dornakazien auf die makellos glatten Seitenflächen der Düne werfen, sieht schon phantastisch aus. Da die Düne 45 „nur“ ca. 170 m hoch ist und ihr Kamm verhältnismäßig sanft ansteigt, eignet sie sich prima für eine erste Übungsbesteigung. Ein unbeschreibliches Erlebnis!

Ebenso unbeschreiblich (hauptsächlich fahrtechnisch) sind die restlichen 15 Kilometer bis zum Parkplatz für „normale“ Fahrzeuge, der noch weitere 5 km von Sossusvlei entfernt ist. Ab hier geht es beim besten Willen nur noch mit Geländefahrzeugen oder zu Fuß weiter. Ob wir den Weg zurück auch wieder schaffen, ohne stecken zu bleiben? Zumindest ist Hilfe nicht fern, da hier ja täglich doch einige Touristen vorbeikommen. Um so rasch wie möglich zu den Dünen um das Sossusvlei zu kommen, verzichten wir im Gegensatz zu den beiden Amerikanern auf den anstrengenden Fußmarsch durch den weichen Sand und sparen uns unsere Energie lieber für die Besteigung der Dünen. Eine Art Shuttle-Geländewagen bringt Touristen für 50 N$ pro Person (ziemlich teuer!) vom Parkplatz zum Vlei und zurück. Nach einer Viertelstunde holpriger Fahrt erreichen wir endlich das Ufer des Sees. Die Schönheit der Dünen ringsherum ist einfach atemberaubend! Solange sich die Temperatur noch im angenehmen Bereich befindet, wandern wir die erste Riesendüne östlich des Vleis herauf und erreichen bald eine schwindelerregende Höhe. Der Aufstieg auf den über 250m hohen Dünenkamm ist von der Anstrengung her übrigens vergleichbar mit einer Wanderung auf einen dreimal so hohen Berg, da der sandige Untergrund bei jedem Schritt nachgibt. Aber der Ausblick von der Höhe auf das endlose Dünenmeer ist jede Anstrengung wert! Eine derart phantastische, ja geradezu unwirkliche schöne Wüstenlandschaft haben wir bisher noch nie gesehen. Dies ist auf jeden Fall der Höhepunkt unserer Namibia-Tour!

Bei der Wanderung auf einen fast 300m hohen Sandhaufen darf man zwei Dinge übrigens nicht unterschätzen: erstens sollte man feste Wanderschuhe mit dicker Sohle tragen, denn der rote Sand wird in der Sonne unglaublich heiß, und zweitens kann Höhenangst ein echtes Problem werden, denn der Kamm, auf dem man hinaufsteigt, ist gerade mal 30 – 40 cm breit, und links und rechts davon geht es extrem steil runter. Es ist zwar völlig ungefährlich, da man ja nur in weichen Sand fallen kann, aber der Kopf signalisiert Gefahr. Aus diesem Grund kommt Simone auch nicht ganz bis zum höchsten Punkt mit, sondern läuft schon vorher hinab. Ich lasse mir jedoch den unbeschreiblichen Spaß nicht nehmen und laufe von der höchsten Stelle mit viel Schwung und mit Riesenschritten die steile Dünenwand hinunter. Da der Sand den Schwung sanft auffängt, hat man fast das Gefühl zu schweben.



Unten am Sossusvlei angekommen hat sich jeder freie Kubikmillimeter in meinem Schuh mit feinsten Sandkörnern gefüllt, so dass sich meine Füße so schwer anfühlen, als hätte ich Blei in den Schuhen. Aber das war ein einmaliges Erlebnis. Nur der extrem anstrengende Aufstieg hält mich davon ab, das ganze zu wiederholen.

Im Schatten eines dürren Baumes am Ufer des Sees machen wir erstmal eine Trinkpause und entleeren unsere Schuhe vom Sand. Die Sonne steigt schnell höher und es wird spürbar von Minute zu Minute wärmer. Die langen dunklen Schatten der Dünen sind auch schon fast verschwunden. Aber wir umrunden noch das gesamte Sossusvlei, Simone am Ufer entlang und ich auf dem Kamm der gegenüberliegenden Düne, von wo sich wieder ein einzigartiger Ausblick bietet, der sich sehr von dem der ersten Düne unterscheidet. Daher mein Tipp: wer genug Energie hat, sollte beide Dünen besteigen. Es lohnt sich!



In der Umgebung des Sossusvleis existieren noch einige andere ausgetrocknete Pfannen. Eine davon ist das Dead Vlei, zu dem ein etwa 2 km langer, mit Pfählen markierter Pfad durch den Sand führt. Diese kurze Distanz erweist sich fast als einer der anstrengendsten Fußmärsche meines Lebens. Es ist erst 10 Uhr morgens, aber die Sonne brennt mit solcher Kraft, dass die Temperatur (im nicht vorhandenen) Schatten sicher schon die 40°C-Marke überschritten hat.

Das Dead Vlei erweist sich als spiegelglatte, weiße Fläche mit skelettartigen, abgestorbenen Baumstämmen, die vereinzelt aus der Ebene ragen. Die Pfanne wirkt in der ohnehin nicht gerade vertrauten Umgebung noch fremdartiger, ja geradezu apokalyptisch. Und die Hitze beweist uns eindrucksvoll, dass dieser Ort für Menschen absolut lebensfeindlich ist. Umso unglaublicher ist die Tatsache, dass sich in dieser Isolation der Namibwüste eine einzigartige Fauna entwickelt hat. Fast überall verlaufen feine winzige Spuren durch den Sand, hervorgerufen von Käfern und Echsen, die sich tagsüber tief im Sand vergraben und nur in der kühlen Nacht hervor kommen. Aber dass hier selbst größere Säugetiere, wie z.B. die Oryx-Antilopen, überleben können, ist schon kaum zu fassen.

Auf dem Rückweg zum Sossusvlei verbrauchen wir unseren restlichen Wasservorrat. Wir wollen jetzt nur noch raus aus der Sonne, denn unsere Haut fängt schon an zu brennen, obwohl wir uns mit Schutzfaktor 30 eingecremt haben. Jetzt am Mittag wären wir beim besten Willen nicht mehr dazu in der Lage, nochmal auf eine der hohen Dünen zu klettern. Daher lassen wir uns mit dem nächsten Geländewagen zurück zum Parkplatz zu unserem Auto bringen, wo uns die angenehme Kühle der Klimaanlage erwartet.

Simones Gebete, dass wir auf der Rückfahrt den Wagen nicht im Sand festfahren, werden erhört. Denn trotz der schwierigen Piste erreichen wir eine Stunde später ohne weitere Probleme wieder das Eingangstor zum Nationalpark bei Sesriem. Nach einer Tankpause statten wir auch dem Sesriem-Canyon in der Nähe einen Besuch ab, in dem das Wasser des Tsauchab noch so hoch steht, dass man gut im Fluss baden kann. Sicher nicht das Schlechteste bei dieser Wärme. Nur dumm, dass wir die Badeklamotten vergessen haben und nicht alleine dort sind. In der Trockenzeit kann man übrigens den Grund des Canyons trockenen Fußes durchwandern, da der Tsauchab dann ganz im Boden versickert.



Den Nachmittag wollen wir ganz gemütlich auf der Farm Weltevrede verbringen, denn die Dünenwanderung, die Hitze und die Sonnenstrahlung schlauchen schon ganz schön. Außerdem tut etwas Ruhe auch ganz gut, die unvergesslichen Eindrücke dieses Tages zu verarbeiten. Wie viel Glück wir mit unserem Wagen heute hatten, macht uns ein Autowrack im Naukluft-Gebirge deutlich. Hoffentlich enden wir nicht auch so in Namibia. Es ist schon unglaublich, was unser Opel in der Wüste alles aushalten muss!

Das Abendessen (wieder sehr lecker) und das gemütliche Beisammensein an Walters Bar sind der richtige Abschluss für diesen wunderbaren Tag.


17. Tag: Schloß Duwisib / Diamantensperrgebiet


Heute haben wir die wohl längste Strecke über Sand- und Schotterpisten auf unserer Namibia-Tour vor uns. Um genug Zeitreserve zu haben, stehen wir wieder zeitig auf und verabschieden uns nach einem kurzen Frühstück von unserem Gastgeber Walter. Nach einem erneuten Abstecher nach Sesriem, wo wir unseren Wagen nochmal voll auftanken, fahren wir nach Südosten am Rande der Tsarisberge entlang. An die menschenleere Landschaft haben wir uns ja längst gewöhnt. Bis auf einige sandige Flussbetten, die wir gelegentlich kreuzen müssen, ist die Piste in ausgezeichnetem Zustand. Nur der feine Staub dringt bis in die letzten Ritzen des Wagens ein und bedeckt mit der Zeit einfach alles mit einer rotbraunen Schicht. An den Geruch des Staubs in der Nase gewöhnt man sich mit der Zeit aber auch.

Von der Höhe des Tsarishoogte-Pass, wo wir wieder erste Anzeichen menschlicher Besiedlung in Form einer einsam gelegenen Farm entdecken, blicken wir nochmal zurück über die schöne, weite Landschaft des Namib-Randgebietes. Der Pass hat uns auf das Hochplateau des Landesinneren hinauf geführt. Hier herrscht wieder endlose Gras-Savanne vor. Da wir einen Abstecher zum Wüstenschloss Duwisib machen wollen, biegen wir auf die Farmpiste D831 ab, um nicht den langen Umweg über Maltahöhe nehmen zu müssen. Diese Entscheidung erweist sich leider fahrtechnisch als sehr unklug, denn im Gegensatz zu den breiteren C-Pisten, hat man die kleinen Farmpads noch nicht ausgebessert. Daher behalten wir die folgende Strecke noch lange in Erinnerung, denn mit mehr als 30 km/h kommen wir im Durchschnitt nicht vorwärts. Am problematischsten sind, wie immer, die unvermuteten und in keiner Karte eingezeichneten kleinen Flussläufe, die in der Regenzeit alle überflutet waren. Mehr als einmal müssen wir daher eine Zwangspause einlegen und die Piste von Steinen und Treibgut befreien, die uns den Weg versperren. Am gemeinsten ist eine Senke, die völlig überraschend auftaucht und so steil herab führt, dass wir am Boden der Senke mit dem vorderen Stoßfänger aufsetzen. Erst nach einer halbstündigen Freigrabe-Aktion mit unserer Klappschaufel (die sich als unverzichtbares Werkzeug heraus gestellt hat) und kräftigem Schieben, bekommen wir unseren Kombi wieder flott. Hilfe können wir in dieser Einsamkeit kaum erwarten. Wir scheinen ohnehin die ersten zu sein, die nach der Regenzeit diese Pad befahren.

Nach einer Abzweigung wird die Piste wieder etwas besser. Aber kaum denken wir, dass wir das Schlimmste hinter uns haben, tauchen lange sandige Abschnitte auf, die von tiefen Reifenspuren durchzogen sind. Hoffentlich bleiben wir nicht wieder hängen, denn von alleine kämen wir dann nicht mehr frei. Also Vollgas geben, Augen zu und durch! Die Reifen drehen durch, wir wirbeln ganze Sandfontänen auf, und das Fahrzeug schlingert wie im Schleudergang wild hin und her. Aber wir kommen mit Ach und Krach durch. So langsam entwickle ich mich wohl zum Ralleyfahrer. Nur Simones Nervenkostüm ist ziemlich am Boden. Aber sie sieht das alles wohl etwas realistischer, während ich einfach auf unser Glück vertraue.



Irgendwann und irgendwie erreichen wir jedenfalls Schloss Duwisib, das man in dieser einsamen Gegend kaum vermuten würde. Erbaut Anfang 1900 von Baron Hans-Heinrich von Wolf, einem Captain der Schutztruppe während der deutschen Kolonialzeit. Inspiriert von den deutschen Forts bei Gibeon, Namutoni und Windhoek ließ der Baron sich das Schlossgebäude errichten, das ihm und seiner Frau Jayta als Heim und Festung dienen sollte. Welch ein ungeheurer Aufwand, wenn man bedenkt, dass damals noch Ochsenwagen als Transportmittel dienten, und die gesamte stilvolle Einrichtung aus Europa eingeführt wurde. Dummerweise verstarb der Baron wenige Jahre später im ersten Weltkrieg in Europa. Das Anwesen befindet sich mittlerweile im Staatsbesitz und wurde 1991 komplett restauriert. Seitdem wird es von Namibias Nationalparkbehörde verwaltet und ist für Besucher zur Besichtigung freigegeben.

Im grünen Innenhof überrascht vor allem ein Springbrunnen, der in dieser wasserarmen Gegend den reinen Luxus darstellt. Einige der 22 Räume stehen leer, und es existieren Pläne, diese Räume in Unterkünfte umzuwandeln. Nach der Besichtigung machen wir ein kleine Mittagspause im schattigen Innenhof, bevor wir unseren langen Weg fortsetzen. Nachdem wir uns wieder erfolgreich durch die sandigen Abschnitte gequält haben, biegen wir nach Süden ab, um die Hauptpiste C14 zu erreichen. Doch kurz vor dem Ziel erweist sich dieser Pistenabschnitt als unpassierbar für unseren PKW. Mehrere hundert Meter weicher Sand sind ohne vierradgetriebenes Fahrzeug und mit unserer geringen Bodenfreiheit nicht zu schaffen. Allein der Versuch wäre schon Wahnsinn.

Was bleibt uns also übrig? Wir müssen die ganze Piste wieder zurück fahren, um ca. 35 km südwestlich von Maltahöhe wieder auf die C14 zu stoßen. Das bedeutet einen nicht unerheblichen Zeitverlust, und zehrt stark an unseren Nerven. Da wir nicht wissen, welche Überraschungen auf dem weiteren Weg nach Lüderitz noch auf uns warten, gehen wir aber kein Risiko mehr ein. Die C14 ist jedenfalls offensichtlich schon ausgebessert worden, wie wir auf der Fahrt entlang der beeindruckenden Szenerie der Schwarzland- und der Rooirand-Gebirge erleichtert feststellen können. Hier gibt es sogar richtige Brücken über die Trockenflussläufe, eine echte Seltenheit in Namibia!

Zwei Stunden später erreichen wir dann auch ohne weiter unangenehme Zwischenfälle die kleine Ansiedlung Helmeringhausen, wo wir auf die Piste C13 abbiegen, die durch die riesige Neisip-Ebene führt. Diese spektakuläre Ebene ist im sanften Nachmittagslicht eine echte Augenweide. Auch hier treffen wir auf den nächsten 110 km außer auf ein oder zwei Farmen auf keinerlei Ansiedlungen. Die Tirasberge im Westen trennen die Ebene von der Namibwüste. Einige Male überqueren vor uns gewaltige Heuschreckenschwärme die Piste. Die Vielzahl der Insekten, die Namibia nach den Regenfällen in diesem Jahr heimsucht, kann man kaum beschreiben.

Da einige der Viecher in den Motorraum eindringen und dort verbrennen, beginnt es bald unangenehm zu riechen, so dass wir die verkohlten Insektenkörper vom Motorgehäuse abpflücken müssen. Man kann sich sicher angenehmeres vorstellen.

Schließlich stoßen wir bei Aus auf die geteerte Straße B4, die die Städte Keetmanshoop und Lüderitz verbindet. Welch eine Erleichterung nach über 750 km auf unbefestigten Straßen und jeder Menge geschluckten Staubs! In Aus füllen wir unseren fast leeren Benzintank auf und fahren gleich weiter durch die Namibwüste nach Westen, am Südrand des Namib-Naukluft-Parks auf der einen und am Diamantensperrgebiet auf der anderen Straßenseite entlang.

So einsam und leblos die Wüstenebene auch ist, schon allein wegen des guten Straßenzustands genießen wir die Fahrt durch die schier endlose Weite.



In der Nähe der Wasserstelle Garub begegnen uns auch einige der hier heimischen Wildpferde, die sich an die extremen Bedingungen der Namib angepasst haben. Man vermutet, dass die Pferde entweder von den Reittieren der deutschen Schutztruppe aus der Kolonialzeit abstammen, oder dass es sich um die Nachkommen entlaufener Tiere des Barons von Wolf handelt, der bei Schloss Duwisib auch Pferde züchtete.

Am späten Nachmittag erreichen wir dann endlich unser Ziel, die kleine Stadt Lüderitz am Atlantik, die auf der Landseite von der trostlosen Mondlandschaft des Diamantensperrgebiets der Namibwüste umgeben ist. Zwischen dem verlassenen Diamantengräberort Kolmannskuppe und Lüderitz tauchen auch wieder Sanddünen auf, die mit ihren Verwehungen oft die Straße blockieren. Nachmittags kommt es hier auch manchmal zu heftigen Sandstürmen, die sogar Fahrzeuge beschädigen können. Aber heute ist es ziemlich ruhig, wir haben Glück.

In Lüderitz, das vor allem durch die Vielzahl gut erhaltener deutscher Kolonialgebäude auffällt, wohnen wir im modernen Hotel Sea View Zum Sperrgebiet mit Blick auf den Fischerhafen und das Meer. Ähnlich wie in Swakopmund müssen wir uns wieder an die kühlen Temperaturen an der Küste gewöhnen, was uns gar nicht so leicht fällt.

Wir machen noch einen kleinen Spaziergang zum Hafen und in die Stadt, doch nach der langen und anstrengenden Autofahrt wollen wir eigentlich nur noch unsere Ruhe haben. Deshalb besuchen wir am Abend auch das hauseigene Restaurant im Hotel, wo wir sehr gute Gerichte serviert bekommen. Und nach einigen Gläsern Bier (Windhoek Lager) schläft es sich um so besser.


18. Tag: Lüderitz / Kolmannskuppe



Am nächsten Morgen erwartet uns wieder strahlend schönes Wetter mit einem tiefblauen Himmel. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Lüderitz einen durchschnittlichen Jahresniederschlag von nahezu Null hat! Selbst während der heftigen namibischen Regenzeit vor ein paar Wochen kam in Lüderitz kein Tropfen Wasser herunter. Entsprechend wächst in der Umgebung von Lüderitz so gut wie nichts. Trotzdem leisten sich einige wenige Häuser den Luxus eines kleinen Gartens.

Nach dem Frühstück im Hotel schauen wir uns den Ort intensiver an. Einige Gebäude, wie z.B. das Goerke-Haus sind wunderbar restauriert worden. Der Kontrast zwischen den farbenfrohen Gebäuden des Städtchens, deren deutscher Ursprung unübersehbar ist, und der absolut kargen Umgebung der Wüste könnte nicht größer sein. Wären nicht die von Seefahrern geschätzte Lüderitz-Bucht und später der Diamantenrausch gewesen, könnte man sich beim besten Willen nicht vorstellen, warum jemals Menschen an diesem verlassenen Fleckchen Erde Interesse gezeigt haben.

Am Vormittag besuchen wir die Geisterstadt Kolmannskuppe in der Nähe von Lüderitz. Für den Besuch des alten Diamantengräberorts und der Teilnahme an einer Führung muss man sich in der Touristeninfo in Lüderitz anmelden. Der Ort wurde etwa vor 60 Jahren aufgegeben und den Elementen überlassen. Seitdem begräbt der Sand der Wüste die einzelnen Gebäude.



Die einstündige Tour ist sehr interessant, und man erfährt dabei auch eine ganze Menge über den modernen Diamantenabbau. Nach wie vor ist das gesamte Gebiet südlich von Lüderitz streng kontrolliertes Sperrgebiet. Vor allem an der Mündung des Oranje an der Grenze zu Südafrika wird noch viel Tagebau betrieben. Der Sand des Meeresgrundes vor der Mündung und die Wüste werden dort systematisch abgesaugt und gefiltert, um an die ersehnten Diamanten zu gelangen.

Nach der Führung darf man die Gebäude der Geisterstadt auf eigene Faust erkunden. Einige Häuser sind noch ganz gut erhalten, aber viele sind bis fast unter die Decke mit Sand gefüllt. Auf jeden Fall sieht man, dass die alten Bewohner damals nicht schlecht gelebt haben: es gab eine Kegelbahn, eine Turnhalle, die auch als Veranstaltungssaal benutzt wurde, und sogar ein Schwimmbad.

Nach dem Besuch von Kolmannskuppe machen wir mittags eine Rundfahrt zu einigen Buchten und Stränden der Lüderitz-Halbinsel, die uns allerdings nicht gerade vom Hocker reißen. Aber als Bewohner von Kapstadt ist man in dieser Beziehung natürlich etwas verwöhnt. Vor allem deprimiert uns mit der Zeit die graue Felsen- und Mondlandschaft. Simones Hoffnung, eine der begehrten Wüstenrosen, einen Kristall aus Gips und Calcium-Sulfat-Salzen zu finden, zerstreut sich sehr bald. Da waren andere Sammler wohl schon etwas schneller.

Wenn man länger in Lüderitz bleibt, bietet sich auch eine Tour mit einer Segelyacht an, bei der man oft Delphine sichtet. Angesichts unserer Erfahrungen bei dem Namib-Rundflug (die Übelkeit betreffend), entscheiden wir uns aber dagegen. Außerdem wollen wir morgen ohnehin weiter in Richtung Fish-River-Canyon.

Alles in allem kann man sagen: Lüderitz ist zwar einen Besuch wert, aber ein Besuch reicht unserer Meinung nach auch aus. Namibia hat auf jeden Fall sehenswertere Ort zu bieten. Den Rest des Tages faulenzen wir also noch ein wenig im Hotel. Von einem Sprung in den netten kleinen Pool im Wintergarten des Hotels hält uns nur die kühle Wassertemperatur ab.

Beim Abendessen im Hotel-Restaurant genehmigen wir uns zur Feier des Tages eine große Fischplatte und dazu eine Flasche südafrikanischen Sauvignon Blancs. In Lüderitz ist ja bis Ende April noch Langusten-Fang-Saison, das müssen wir natürlich ausnutzen. Die Platte ist zwar nicht ganz so groß und beeindruckend wie die in Swakopmund, aber trotzdem sehr zu empfehlen. Mein Gott, wie schön ist es doch, mal so richtig dekadent zu sein!


19. Tag: Cañon-Lodge


So langsam neigt sich unsere Tour dem Ende entgegen. Aber einen Höhepunkt haben wir ja noch vor uns: den zweitgrößten Canyon der Welt im Süden Namibias, den Fish-River-Canyon. Nach dem guten Frühstück im Hotel Zum Sperrgebiet durchqueren wir vorerst zum letzten Mal die Namibwüste und folgen der B4 vorbei an Aus und Goageb nach Seeheim, wo wir südwärts auf die Piste C12 abbiegen. In Seeheim erfahren wir, dass ein Teil der Piste wegen der Überschwemmungen noch gesperrt ist. Aber es gibt eine Umleitung über den Naute-Damm, der angeblich auch für PKW geeignet ist. Na, das wollen wir doch hoffen!

Tatsächlich ist die Piste zum Damm in einwandfreiem Zustand. Auf einem kleinen Parkplatz an einem Aussichtspunkt halten wir und blicken über den randvollen Staudamm, der sehr schön zwischen schwarzen Doleritkuppen liegt. Im Hintergrund sind die Tafelberge des Klein Karas-Gebirges zu sehen. Ein bisschen abenteuerlich ist anschließend die Fahrt durch den Löwen-Fluss unterhalb der Staumauer. Aber da wir festen Untergrund haben, kommen wir gut durch, obwohl wir durchs rasch dahin fließende Wasser fahren müssen. Wie fischreich der Fluss ist, sehen wir daran, dass ein einheimischer Fischer ein kleines Fangnetz ins Wasser hält und schon kurze Zeit später mit zappelndem Inhalt heraus holt.

Wieder auf der C12 fahren wir noch ca. 50 km, bis wir zur Abzweigung zum Canyon kommen. Die nun folgende Piste ist schon erheblich holpriger. Die Landschaft rundherum ist dafür aber sehr reizvoll. Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir schließlich das Ziel für heute, die Cañon Lodge. Zwar handelt es sich bei der exklusiven Lodge um die teuerste Unterkunft auf unserer Tour, aber sie ist dermaßen liebevoll und phantastisch in die felsige Umgebung des privaten Gondwana Nature Reserve integriert, dass man den hohen Preis durchaus rechtfertigen kann. Für den Bau der riedgedeckten Hütten hat man Holz und Natursteine benutzt. Teilweise bestehen die Wände auch einfach nur aus den angrenzenden Granitfelsen. Innen sind sie komfortabel ausgestattet und trotzdem sehr urig und gemütlich. Jede Hütte unterscheidet sich in Form und Lage von der anderen. Ansonsten hat man die natürliche Umgebung nahezu nicht verändert. Ein altes restauriertes Farmhaus dient als Rezeption, Bar und Restaurant.



Nachdem wir unsere Hütte bezogen haben erkunden wir zunächst mal das Gelände der Lodge. Die Felsformationen aus Granit sind wirklich sehr eindrucksvoll. Dazwischen wachsen Köcherbäume und andere Aloenarten. Von einem Hügel innerhalb der Anlage hat man einen traumhaften Blick auf die weite Landschaft.

Nachmittags werden auf der Veranda des Farmhauses Kaffee und Kuchen serviert. Dort treffen wir auch wieder auf eine deutsche Familie, der wir im Etosha-Nationalpark schon begegnet sind. Wie klein so ein riesiges Land wie Namibia doch sein kann.

Da ich mir (wohl aufgrund der starken Klimaunterschiedes zwischen Namibwüste und Lüderitz) eine kleine Erkältung eingefangen habe und etwas unter Kopfschmerzen leide, lege ich mich anschließend noch eine Stunde hin. Den Sonnenuntergang später genießen Simone und ich aber gemeinsam von einem Felsen oberhalb unserer Hütte aus.

Das Abendessen gibt es in Buffetform und wird draußen auf der Veranda bei Kerzenschein eingenommen. Hier kann man es schon echt gut aushalten!


20. Tag: Fish-River-Cañon


Nach dem Frühstück fahren wir gemütlich in Richtung Fish-River-Canyon Nationalpark, der nur ca. 20 km von der Cañon Lodge entfernt liegt. Der Zugang zum nördlichen Teil des Nationalparks befindet sich beim staatlichen Camp Hobas. Leider erfahren wir dort, dass es zur Zeit nicht erlaubt ist, in den Canyon hinabzusteigen. Das ist sehr schade, da ich mich auf diese Wanderung schon sehr gefreut habe.

Dafür steuern wir erstmal den Haupt-Aussichtspunkt auf einer von ziemlich tiefen Schlaglöchern übersäten und holprigen Piste an. Der Blick aus der Vogelperspektive in den Canyon ist schon gewaltig. Der Fish-River-Canyon ist insgesamt 161 km lang, stellenweise mehrere Kilometer breit und bis zu 550m tief. Damit ist er zwar wesentlich kleiner als der Grand Canyon in den USA, aber es handelt sich trotzdem um eine sehr sehenswerte Naturszenerie.



Als nächstes besuchen wir den Aussichtspunkt einen Kilometer weiter nördlich, der auch gleichzeitig der Startpunkt der 5-Tages-Wanderung durch den Fish-River-Canyon ist, einer der populärsten Trails im südlichen Afrika. Allerdings ist diese Wanderung alles andere als ein Zuckerschlecken. Übernachten muss man unter freiem Himmel im Canyon, in dem tagsüber meistens Temperaturen über 40°C herrschen. Es gibt keinerlei Pfade oder feste Übernachtungsplätze, da es sich um ein echtes Wildnisgebiet handelt. Die einzige Wasserquelle ist der Fischfluss selbst, der aber auch nicht ganzjährig Wasser führt. Daher sind Wanderungen auch nur in den Wintermonaten von Mai – September erlaubt.

Wir ärgern uns über einige ältere deutsche Touristen, die trotz des Verbots in den Canyon hinuntersteigen. Wenn es ein Verbot gibt, hat das meistens auch einen Sinn. Was ist, wenn jemandem im Canyon etwas passiert? Aber gerade (deutsche) Touristen meinen ja oft, sie könnten die Regeln im Urlaubsland selbst aufstellen. Zuhause sind sie dagegen meistens übertrieben korrekt und regen sich schon auf, wenn jemand unerlaubt auf ihren Rasen tritt.

Unser Vorhaben noch einige der weiter entfernten Aussichtspunkte am Rande des Canyons anzusteuern, geben wir nach wenigen Kilometern auf, da die Piste wirklich nur noch für Allradfahrzeuge nutzbar ist. Schade eigentlich, aber nur für ein paar Fotos vom Canyon wollen wir nicht noch eine Reifenpanne riskieren. Immerhin hatten wir bisher auf der ganzen Tour noch keinen nennenswerten Schaden, und man sollte sein Glück ja nicht zu weit herausfordern.

Also kehren wir wieder zurück zur Cañon Lodge und tun das einzig sinnvolle, was man in der Mittagshitze in dieser wüstenartigen Gegend tun sollte: wir legen uns mit kalten Getränken an den schönen kleinen Swimmingpool, der etwas abseits der Lodge liegt, und verbringen einen schönen, geruhsamen Nachmittag.



Am Abend nehme ich an einer geführten Miniwanderung auf den Granithügel innerhalb der Anlage teil und bestaune einen weiteren eindrucksvollen Sonnenuntergang. Ein absolut phantastisches Farbenspiel!


21. Tag: Rückfahrt nach Kapstadt


Der letzte Tag unserer Reise ist angebrochen. Viel zu erzählen gibt es allerdings nicht mehr. Nach dem Frühstück fahren wir südwärts Richtung Ai-Ais durch die wunderbare Wüstenlandschaft am Rande des Canyons. Die Piste C10 führt uns wieder auf die Nationalstrasse B1, der wir eineinhalb Stunden südwärts bis zum Grenzübergang bei Noordoewer folgen. Direkt hinter der Brücke über den Fluss Oranje reisen wir nach mehr als einstündiger Wartezeit am Grenzposten wieder in Südafrika ein. An der Grenze und auf der ansonsten eher einsamen Strecke durch die Provinz Nordkap herrscht heute Hochbetrieb. Die Ursache ist sicher der Ferienverkehr vor dem kommenden Osterwochenende.



Die Rückfahrt nach Kapstadt auf der gut ausgebauten N7 unterbrechen wir nur noch für eine Tankpause bei Klawer, im grünen Tal des Olifants River nördlich von Clanwilliam. Zwischen Citrusdal und Kapstadt kommen uns dann ganze Kolonnen von Fahrzeugen entgegen. Mit soviel Urlaubsverkehr an Ostern hätten wir in Südafrika gar nicht gerechnet.

Dann taucht bald vor uns der Tafelberg am Horizont auf und am frühen Abend erreichen wir ohne weitere Zwischenfälle das heimische Kapstadt.

Fast 8000 km Strecke liegen hinter uns, davon über 3000 km auf unbefestigten Pisten. Unser Kombi ist von oben bis unten und bis in den kleinsten Winkel hinein voller Staub, Schlamm und Sand. Ein paar kleine Beulen am Unterboden hat er davongetragen, aber er hat uns nicht im Stich gelassen.

Auf jeden Fall war diese Tour die aufregendste, die wir bisher auf eigene Faust unternommen haben. Sie hat sich gelohnt!


- E N D E -

Mario Anthes
E-Mail: anthes@iafrica.com

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