Costa Rica 1994

Zielorte:
Dauer:
Reiseveranstalter:

Zeitraum:
Costa Rica
2 Wochen
Neckermann (NUR)
01.12.94 - 17.12.94
Landkarte

Eine gebuchte, einwöchige Rundreise durch das kleine mittelamerikanische Land Costa Rica mit anschließendem Badeaufenthalt in einer All-Inclusive-Hotelanlage. Man mag über den Veranstalter NUR geteilter Meinung sein: die Reise war jedenfalls perfekt organisiert, und die Gruppe bestand aus nur 12 Teilnehmern, was vermutlich am Abenteuercharakter der Rundreise gelegen haben mag. Uns hat diese Reise und das Land Costa Rica auf jeden Fall super gefallen.

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Nach der Landung in der Hauptstadt San José werden wir im Hotel Torremolinos einquartiert. Wir lernen unsere aus der Schweiz stammende Reiseleiterin Susi kennen. (Anm.: Dabei handelt es sich genau um jene Reiseleiterin, die ca. zwei Jahre später zusammen mit einer deutschen Touristin in Costa Rica entführt und wochenlang im Dschungel als Geisel festgehalten wurde.)

Das Klima in San José ist für ein tropisches Land sehr angenehm. Die Stadt befindet sich im zentralen Hochland Costa Ricas auf ca. 1170m Höhe.

Nachmittags machen wir einen Stadtrundgang, besuchen das imposante Gebäude des Nationaltheaters und sehen uns auf dem geschäftigen Markt Mercado Central ein wenig um.

Anschließend fahren wir ins Nationalmuseum, das sich in einem alten Festungsgebäude mit gutem Blick über die Stadt befindet. Am interessantesten finden wir dort die Ausstellung präkolumbianischer Kunst und die rätselhaften, tonnenschweren Steinkugeln, die man zum Teil an den ungewöhnlichsten Orten im Land gefunden hat (z.B. auf hohen Bergen und im Dschungel).

Am nächsten Morgen ist die Spannung unter den Reiseteilnehmern groß, denn für uns alle ist es das erste Mal, dass wir an einer White Water Rafting Tour teilnehmen.

Auf dem Weg nach Turrialba besuchen wir kurz die prächtige Basilika in der Stadt Cartago, die in der Nähe des Vulkans Irazú (mit 3432m höchster Berg des Landes) gelegen ist.

Nach einer Fahrt durch herrliche, tropische Flußtäler erreichen wir bei Turrialba den Rio Reventazón.

Das schäumende Wasser des schnell dahin strömenden Flusses läßt uns schon ahnen, was wohl in den nächsten Stunden auf uns zu kommt. Zumindest gibt es hier, am Oberlauf des Flusses, keine Krokodile.

Nachdem wir uns mit Helmen und Schwimmwesten ausgestattet haben, werden wir von den vertrauenserweckenden Leuten des Adventure-Veranstalters Rios Tropicales ins Rafting eingewiesen.

Dann geht es ab ins Schlauchboot. Wir werden von der starken Strömung des Reventazón sofort erfasst und in die Flußmitte getrieben. Die erste Stromschnelle erweist sich als ein Riesenspaß, unser Adrenalinpegel rast nach oben, und nach kurzer Zeit sind wir alle in enthusiastischer Stimmung.

Unser Bootsführer steuert uns sicher durch das Wildwasser, wir müssen nur hin und wieder kräftig in die Paddel greifen. In den ruhigeren Abschnitten des Flusses treiben wir ganz gemächlich dahin und uns bleibt genügend Zeit, die wunderbare Dschungellandschaft des Flusstales zu betrachten.

Nachdem wir einige Stromschnellen der Stufen 2 bis 3 überwunden haben, landen wir an einer Flusskehre am Ufer und verspeisen in der Pause frische tropische Früchte.

Die schwierigste Stromschnelle der Stärke 3 bis 4 folgt bald darauf. Dort geht es dann auch ganz ordentlich zur Sache. Einer unserer Mitreisenden fällt über Bord, wird von uns aber nach einigen Sekunden wieder unversehrt aus dem Wasser gefischt.

Nach unserem Geschmack geht die Tour viel zu schnell zu Ende. Immerhin waren wir aber über 3 Stunden auf dem Wasser. Am Anlegeplatz befindet sich eine Hütte, in der wir noch ein kleines Mittagessen serviert bekommen.

Unser Busfahrer wartet dort auch schon auf uns. Auf der Rückfahrt nach San José durchfahren wir wieder beeindruckende tropische Landschaften. Die Dichte und Fülle der Vegetation ist unbeschreiblich.

Am Abend fahren wir gemeinsam in ein gutes Restaurant in der Stadt, das uns Susi empfohlen hat.

Am nächsten Tag fahren wir von San José aus in Richtung Limón auf der neuen Straße durch den Braulio-Carrillo-Nationalpark, eines der dichtesten und artenreichsten Urwaldgebiete der Welt.

Ein sehenswertes Landschaftsmerkmal unterwegs ist auch der Zusammenlauf zweier Flüsse, den wir von einer Straßenbrücke aus betrachten können: einer führt klares, der andere braunes, schlammiges Wasser mit sich. Letzterer entspringt in den Hängen des Vulkans Irazú.

Im kleinen Ort Siquirres biegen wir auf eine holprige Nebenstraße ab, die uns durch weitläufige Bananenplantagen führt und an einem Bootsanlegeplatz am Rio Pacuare endet.

Dort besteigen wir ein schnelles Boot, das uns flussabwärts in Richtung Atlantik bringt. Parallel zur Küste führt ein langes Kanalsystem durch den Dschungel zum Tortuguero-Nationalpark.

Die Vegetation entlang dem Flusslauf besteht aus Urwaldbäumen und Palmen. An Tieren sehen wir viele Wasservögel und sogar einige Krokodile.

Gegen Mittag machen wir Pause an einem überdachten Rastplatz am Flussufer. Sogar an einen kleinen Weihnachtsbaum hat man gedacht, jetzt in der Adventszeit. In Weihnachtsstimmung verfallen wir in der feuchten, tropischen Hitze allerdings kaum. Das Festhalten an solche Bräuche wirkt hier eher skurril.

Die Vielfalt der Natur ist in diesem Land einfach überwältigend. Pflanzen und Tiere in allen Formen, Größen und Farben wecken unser Interesse, auch diese fast handtellergroße, gefährlich wirkende, aber harmlose Totenkopfspinne, die in einem gewaltigen Netz über unseren Köpfen hängt.

In den Bäumen hören wir die eindringlichen Rufe von Brüllaffen. Schildkröten sonnen sich auf Baumstämmen im Fluss, metergroße Echsen sitzen auf den Ästen. Hier brodelt es geradezu von Leben. Dabei bekommen wir die meisten Bewohner des Dschungels gar nicht zu Gesicht, wie z.B. Tapire, Jaguare und Faultiere.

Die stundenlange Fahrt auf dem Kanal endet im kleinen Dorf Tortuguero, in der Nähe der Flussmündung in den Atlantik. Am gegenüberliegenden Ufer befindet sich die Jungle Lodge, unsere Unterkunft für diese Nacht.

Am späten Nachmittag fahren wir mit dem Boot zur Mündung und laufen von dort mit einem einheimischen Führer zum dunkelsandigen Strand von Tortuguero. An diesem Strand kommen zwischen Juni und Oktober hunderte großer Meeresschildkröten an Land, um ihre Eier abzulegen und im Sand zu vergraben.

Die meisten jungen Schildkröten sind schon geschlüpft, wie uns unser Führer anhand zerbrochener Eierschalen in der Größe von Tischtennisbällen zeigt.

Aber in einem Loch kann er eine ganze Gruppe frisch geschlüpfter Schildkröten aufspüren. Er holt sie mit seinen Händen heraus, und wir werden Zeuge, wie die putzigen Tiere, so schnell sie ihre flossenartigen Beine vorwärts bewegen können, instinktiv in Richtung Meer eilen.

Es handelt sich um einen Wettlauf um ihr Leben, denn auf dem Weg zum Wasser werden unter normalen Umständen viele der kleinen Schildkröten von Vögeln und anderem Getier gefressen.

Unsere Anwesenheit sichert ihnen zumindest diese erste schwere Etappe des Lebens.

Wir veranstalten Wetten untereinander, welches der Tiere zuerst das Wasser erreicht. Als dann die erste kleine Schildkröte in der Brandung eintaucht, brechen wir alle in Jubel aus.

Leider warten auch im Wasser unzählige Gefahren auf diese noch so hilflosen Tiere. Nur ein bis zwei Prozent der neu geborenen Wasserschildkröten überleben im Schnitt und kommen im ausgewachsenen Alter wieder regelmäßig an genau diesen Strand zurück, um ihrerseits dutzende Eier zu legen.

Es handelt sich um ein Gleichgewicht der Natur, das in erster Linie vom Menschen bedroht wird. Wichtig ist, dass man diese wichtigen Geburtsstätten unter strengen Naturschutz stellt, wie im Falle des Tortuguero-Nationalparks.

Für uns ist es jedenfalls ein unvergessliches Erlebnis, einmal Zeuge der Geburt dieser vom Aussterben bedrohten Tiere gewesen zu sein.

Nach dem deftigen Frühstück am nächsten Morgen, zu dem in Costa Rica gebratene Kochbananen, schwarze Bohnen, mit Kokos gekochter Reis und gebratene Eier gehören, fahren wir mit einem kleinen Boot in die kleineren Seitenarme des Kanals.

Dabei kommen wir auch an einigen einfachen Hütten der ärmeren Landbevölkerung vorbei. Fast immer winken uns die Leute, vor allem die Kinder, freundlich zu.

Die Karibikküste Costa Ricas ist ganzjährig ein sehr regenreiches Gebiet, wie wir bald zu spüren bekommen (Jahresdurchschnitt: 6000mm Niederschlag). Wer keine wasserdichten Jacken dabei hat, kann sich in der Unterkunft Regenmäntel ausleihen.

Fast lautlos fahren wir mit dem Boot auf den gewundenen Wasserläufen durch Regen- und Sumpfwald. Wir entdecken Brüllaffen in den Bäumen, Kingfisher, Tukane, Reiher und einen jungen Kaiman, der ruhig neben unserem Boot im Wasser liegen bleibt und sich von unserer Nähe völlig unbeeindruckt zeigt.

Bis wir wieder zurück sind, hat uns der Regen ziemlich durchnässt. Aber er läßt zum Glück auch langsam nach.

In der Lodge rüsten wir uns mit hohen Gummistiefeln aus, dann werden wir mit dem Boot zu einem Dschungelpfad in der Nähe gebracht. Auf einer Wanderung werden wir den Urwald nun aus der Nähe kennen lernen.

Klar, dass der Boden völlig matschig ist. Bei jedem Schritt sinken wir etwa 10 – 20cm in den weichen Untergrund ein. Nach dem Regen liegt die Luftfeuchtigkeit unter dem Blätterdach des Urwalds nahe bei 100%. Wir kommen uns fast vor wie in einem Dampfbad.

Unsere Führerin Susi erklärt uns eine Menge Wissenswertes über die Ökologie des Dschungels. Ebenso wie ihr Mann, der Biologe von Beruf ist, hat sie sehr gute Kenntnisse über die Flora und Fauna Costa Ricas.

Eines der giftigsten Tiere des Regenwaldes ist dieser rote, nur daumengroße Giftpfeilfrosch.

Der Weg durch den Dschungel ist beschwerlich, aber auch sehr spannend. Um uns herum ertönen allerlei Geräusche von Vögeln, Insekten und anderen Tieren.

Simone tritt einmal in ein derart tiefes Schlammloch, dass sie bis zu den Knien darin versinkt. Wir müssen sie regelrecht heraus ziehen. Einer ihrer Gummistiefel bleibt dabei zurück. Nachdem wir ihn wieder ausgegraben haben, sehen wir beide aus wie die Ferkel.

Vor Verlassen des Nationalparks machen wir noch einen kurzen Abstecher in das am Kanalufer gelegene Dorf Tortuguero.

Dort begeistert uns vor allem dieser zahme, grüne Papagei, der vor unseren Augen einige Kunststückchen an einer Hängematte versucht.

Kurz nach Mittag fahren wir mit dem schnellen Flussboot zunächst auf dem Kanal und später auf dem Rio Pacuare flussaufwärts wieder zurück zum Anlegeplatz an der Bananenplantage, wo uns unser Busfahrer erwartet.

Unterwegs sehen wir am Nachmittag einige riesenhafte Krokodile bewegungslos am Ufer liegen. Manche Exemplare dieser Urtiere erreichen eine Länge von 5 – 6 Metern.

Der Bananenplantage statten wir vor der Weiterfahrt auch noch einen Besuch ab. Wir schauen uns an, wie die frisch geernteten, noch grünen Bananen selektiert, gesäubert und mit Aufklebern versehen in Kisten verpackt werden, bevor man sie nach Europa verschifft.


Am frühen Abend haben wir dann noch eine längere Fahrt mit dem Bus vor uns. Über Puerto Viejo kommen wir in die Provinz Heredia. Die Landschaft auf der weiteren Fahrt ins zentrale Hochland erinnert mit ihren Bergwiesen und den schwarz-weißen Kühen stark an die schweizer Alpen. Wieder einmal wird uns die landschaftliche Vielfalt dieses kleinen mittelamerikanischen Landes bewusst.

Es ist schon dunkel, bis wir das Hotel El Tucano in der Nähe von Aguas Zarcas erreichen. Die meisten von uns sind von dem langen Transfer derart müde, dass sie nach dem Abendessen sofort ins Bett verschwinden.


Erst am nächsten Morgen können wir uns in der gepflegten Anlage, zu der auch ein Casino und heiße Quellen gehören, ein wenig umsehen. Schade, dass wir hier nur eine Nacht bleiben konnten.

Am Vormittag geht die Fahrt weiter nach Zarcero, einem kleinen Städtchen, das durch seinen außergewöhnlichen Park vor der Kirche bekannt geworden ist, bestehend aus zu verschiedenen Figuren und Bögen geschnittenen Zypressen.

Auch die recht schöne, von innen prächtig bemalte Holzkirche ist sehenswert.

Wir verlassen das Hochland am Mittag und nähern und immer mehr der Pazifikküste. Nahe der Mündung überqueren wir auf einer Brücke den Rio Grande de Tárcoles. Auf den sandigen Uferbänken und im Wasser liegen zahlreiche Krokodile und einige große Landleguane, die wir gut beobachten können.

Kurze Zeit später erreichen wir unsere nächste Unterkunft, das am Rande des Biologischen Reservates Carara gelegene Hotel Villa Lapas.

Schon bei der Ankunft im Hotel flattern einige herrlich bunte Ara-Papageien in den Bäumen und im Garten herum. Die direkt im Wald an einem klaren Flüsschen gelegene kleine Anlage besteht aus einigen Bungalows, einer offenen Rezeption mit Restaurant und einem schönen Swimmingpool.

Die Farbenpracht der Tukane und Papageien, die hier scheinbar so häufig vorkommen, wie bei uns zuhause die Spatzen, beeindruckt uns sehr. Die Gegend hier ist ein Paradies für Vogelkundler.

Am nächsten Morgen mache ich noch vor dem Frühstück einen kleinen Spaziergang auf einem der Pfade, die dem Lauf des Flusses durch den Urwald folgen.

Ansonsten steht heute ein Badeausflug auf eine Pazifikinsel im Golf von Nicoya auf dem Programm. Am Vormittag fahren wir zum Hafen von Puntarenas, wo wir zusammen mit anderen Touristen einen großen, modernen Katamaran besteigen. Das Boot bringt uns bei herrlich sonnigem Wetter zur unbewohnten, unter Naturschutz stehenden Insel Tortuga. Dort landen wir am Strand und veranstalten ein Picknick-Mittagessen unter freiem Himmel. Anschließend haben wir Gelegenheit zum Sonnen, Baden und Schnorcheln. Es gibt zwar nur wenige Korallen unter Wasser zu sehen, aber dafür jede Menge bunte Fische.


So verbringen wir den ganzen Tag entspannt am Meer. Auf der Rückfahrt nehmen alle Touristen auf dem Boot an einer Verlosung teil. Ratet mal, wer den Hauptgewinn erhält. Beim 1. Preis handelt es sich um eine Wildwassertour auf dem Rio Reventazón! Kommt uns irgendwie bekannt vor. Zum Glück will mein Bruder nächstes Jahr ebenfalls nach Costa Rica reisen, so dass ich schon einen Abnehmer für den Gutschein habe.

Am Abend fahren wir gemeinsam in ein Restaurant in der Nähe unserer Unterkunft. Dort bestellen Simone und ich herrlich schmeckende, gegrillte Langusten. Ein Gedicht, sage ich Euch! Da das Restaurant fast ausschließlich von Einheimischen besucht wird, sind auch die Preise äußerst günstig.


Am nächsten Tag fahren wir in den trockenen Nordwesten des Landes in die Provinz Guanacaste. In dieser ebenen Region wurde der Urwald im Laufe der Besiedlung zum größten Teil abgeholzt, um Platz für Rinderweiden zu schaffen.

In Liberia checken wir im etwas außerhalb der Stadt gelegenen Hotel Las Espuelas ein, bevor wir zum Nationalpark Rincón de la Vieja gefahren werden, der sich am Fuße des gleichnamigen Vulkanmassivs befindet.

Dort läuft uns zunächst mal ein putziger Nasenbär über den Weg.

Wir wandern durch den Wald, bis wir auf den Rio Colorado treffen. Diesen müssen wir durchwaten, was aufgrund der Strömung und der glitschigen Steine im Flussbett mit einiger Vorsicht zu erfolgen hat. Das Wasser ist klar, angenehm kühl und hat Trinkwasserqualität.

Nach zwei oder drei Kilometern kommen wir in vulkanisch aktives Gebiet. Dampfwolken werden im Urwald vor uns ausgespien. Leichter Schwefelgeruch liegt in der Luft.

Wir treffen auf brodelnde Schlammlöcher und Pfützen mit heißem Wasser, in denen man problemlos ein Ei kochen könnte. An anderen Stellen befinden sich schwefelverkrustete Öffnungen im Boden, aus denen stoßweise heißer Dampf austritt.

Auf dem Rundweg durch den Urwald kommen wir an sprudelnden Wasserfällen und zahlreichen Gebirgsbächen vorbei. Allem Anschein nach hat es hier vor kurzem noch kräftig geregnet. Kaum sind wir wieder zurück am Bus, fängt es auch schon wieder an zu tröpfeln. Innerhalb kurzer Zeit bildet sich ein Regenbogen von solcher Farbenpracht, wie wir es noch nie zuvor gesehen haben.

Am Abend besuchen wir die Stadt Liberia und gehen dort in einem landestypischen Restaurant essen. Angesichts der Größe der Portionen scheint der durchschnittliche Costaricaner einen sehr ordentlichen Appetit zu haben.

Später im Hotel heißt es dann Abschied nehmen von den Mitgliedern der Reisegruppe. Am nächsten Tag werden Simone und ich, sowie vier weitere Leute aus der Gruppe nach Puntarenas gefahren, wo wir eine Fähre zur Halbinsel Nicoya besteigen. Die zweite Woche unseres Urlaubs werden wir in einer Strandhotelanlage am Pazifik verbringen.

Nach einer abenteuerlichen Busfahrt über holprige Straßen erreichen wir das an einer Meeresbucht gelegene luxuriöse All-Inclusive-Resort Playa Tambor, das zur spanischen Barcelo-Hotelgruppe gehört.

Die moderne Anlage ist riesengroß, hat einen gigantischen Swimmingpool, mehrere Restaurants und Bars, eine Discothek, eine Veranstaltungsbühne, Geschäfte, ein Casino, Sportanlagen, Tauch- und Reitcenter und einen kilometerlangen Sandstrand. Man hat sogar ein eigenes kleines Naturschutzgebiet mit Mangrovenwäldern angelegt, in dem auch zahlreiche Vögel und andere Tiere angesiedelt wurden.


Trotz der enormen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und des Komforts, der dem Gast in dieser 4-Sterne-Hotelanlage geboten wird, fühlen wir uns im Playa Tambor anfangs ziemlich unwohl. Verglichen mit den netten kleinen Unterkünften auf unserer Rundreise ist diese Hotelanlage der reinste „Overkill“. Nach unserem Geschmack ist es hier zu voll, zu laut, herrscht zu viel Animation und Fast-Food-Mentalität vor. Alles wirkt auf uns typisch US-amerikanisch (die meisten Gäste kommen auch aus den Vereinigten Staaten).

Das All-Inklusive-Konzept gefällt uns auch nicht so gut, da es sich zum Teil negativ auf die Qualität auswirkt. Zum Beispiel werden Zwischenmahlzeiten auf Styroportellern serviert und Getränke in Pappbechern. Man denke nur an die Unmengen an Müll, die da anfallen! Vielleicht leiden wir aber auch nur an einer Art „Kulturschock“, da wir die letzten Tage fast ausschließlich inmitten der Natur verbracht haben.

Wir versuchen jedenfalls das Beste aus unserem Aufenthalt hier zu machen. Mit der Zeit gewöhnt man sich auch an den gesamten Ablauf. Die Unterhaltungsshows am Abend sind immerhin von guter Qualität.

Tagsüber entspannen wir uns am Pool oder am Strand liegend, nutzen das Sportangebot und schauen uns auch die weitgehend naturbelassene, nähere Umgebung des Hotels an, wo es eine Menge interessanter Tiere zu entdecken gibt, wie z.B. Leguane, Baumhörnchen, Mangrovenkrebse, Tukane, Aras und zahlreiche andere Vögel. Einmal begegnen wir sogar einer Echsenart, die sich auf der Flucht - fast wie ein kleiner Dinosaurier - auf die Hinterbeine aufrichtet und im hohen Tempo davon rennt.


Vom Hotel aus werden auch Ausflüge in die Umgebung angeboten, allerdings zu ziemlich überhöhten Preisen (ab 50 US$ pro Person). Wir möchten gerne zu dritt den kleinen Ort Montezuma besuchen, sind aber nicht bereit, dafür soviel zu zahlen. Also lassen wir uns ein Jeep-Taxi rufen, handeln den Preis etwas herunter und werden anschließend über eine Piste, die wirklich nur mit Geländefahrzeugen zu überwinden ist, zu dem ca. 20 km entfernten Küstenort gefahren, in dem sich viele Aussteiger aus aller Welt niedergelassen haben.

Unterwegs hält unser Fahrer urplötzlich an und deutet auf einen Baum in der Nähe. Anfangs haben wir Schwierigkeiten zu erkennen, was er meint, aber dann sehen wir mit dem Fernglas einen schwarzen Panther, der sich auf einem Ast zum Schlafen gelegt hat. Wahnsinn! Wir sind auch tief beeindruckt vom scharfen Blick des Taxifahrers.

Montezuma hat einige schöne, einsame Strände zu bieten. Wir wandern zu einem 15m hohen Wasserfall, der sich in einer Schlucht südlich des Ortes befindet. Dort stürzt ein Flüsschen in ein tiefes Felsenbecken, das sich ideal zum Baden eignet.

Es gibt kaum etwas schöneres, als sich im erfrischenden, klaren Wasser von der Hitze des Tages zu erholen!

Beim Schwimmen taucht neben mir unvermittelt der Kopf eines Fischotters auf, höchstens einen Meter entfernt. Ich glaube wir haben uns dabei beide gegenseitig einen ganz schönen Schrecken eingejagt.

Auf dem Rückweg zum Ort begegnen wir einem meterlangen Landleguan, der geschickt auf einen Baum klettert. Costa Rica ist wirklich das Land der Echsen, so zahl- und artenreich, wie diese urzeitlichen Tiere hier vorkommen.

Ein anderes Jeep-Taxi bringt uns für knapp die Hälfte des Preises, den wir auf der Hinfahrt bezahlt haben, zurück zum kleinen Dorf Tambor am Südende der Meeresbucht, an der sich auch unsere Hotelanlage befindet. Dort kaufen wir ein paar preiswerte T-Shirts und einige Souvenirs ein und laufen die restlichen 3km über den Sandstrand zurück zum Hotel.

Die restlichen Tage unseres Urlaubs vergehen viel zu schnell.

Am letzten Tag können wir auf einem Spaziergang durch den Magrovenwald beim Hotel eine ganze Gruppe Brüllaffen aus der Nähe beobachten.

Schließlich bricht der Abreisetag an. Auf dem Flugplatz des Hotels wartet auf uns und einige andere Gäste schon eine Propellermaschine, die uns zurück nach San José fliegen wird.

Der Blick aus dem Flieger auf die Meeresbucht und auf die Inseln im Golf von Nicoya ist traumhaft. Wir fliegen in niedriger Höhe, so dass ich einige sehr schöne Aufnahmen mit der Videokamera machen kann.

Nach kurzer Zeit muss ich mich aber dann doch auf den Flug konzentrieren, denn die kleine Maschine wird von heftigen Turbolenzen durchgeschüttelt.

Schon nach einer knappen halben Stunde landen wir wieder in der Hauptstadt. Da der Heimflug nach Frankfurt erst mitten in der Nacht startet, werden wir im noblen Hotel Barcelo San José Palacio untergebracht.

Den Rest des Tages verbringen wir ganz gemütlich am Swimmingpool. Zum Abendessen gibt es dann noch ein richtig tolles Buffet. Mit ein paar Cocktails an der Bar verabschieden wir uns schließlich von diesem traumhaft schönen Land und versuchen nicht an das kalte Winterwetter zu denken, dass uns in Deutschland am nächsten Tag erwartet.



- E N D E -


Mario Anthes
--- anthes@iafrica.com

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